Halmstad an der schwedischen Westküste, 1996: Der Rennfahrer Jan Nilsson, genannt Flash, gründet ein eigenes Team. Volvo stellt Geld und Autos, und Nilsson gewinnt mit einem Volvo 850 gleich die erste Saison der neuen schwedischen Tourenwagenmeisterschaft STCC. Aus Flash Engineering wird später Polestar Racing, aus dessen Tuningsparte eine Marke, die Volvo 2015 kauft. Heute steht der Name für eine börsennotierte Elektroautomarke, deren Autos in China und den USA vom Band laufen. Der Weg dorthin führte über Volvo, Geely und die Börse.
1996
Gründung des Rennteams Flash Engineering
60.119
verkaufte Autos weltweit 2025
80 %
Anteil Europas an den Verkäufen (Juni 2026)
5.007
Neuzulassungen in Deutschland 2025
Ein Rennteam namens Flash
Die Verbindung zu Volvo war von Anfang an eng. Flash Engineering fuhr mit dem Volvo 850, später mit S40 und S60, und holte für Volvo 2002 und 2003 den Herstellertitel in der STCC. Mitte der Nullerjahre übernahm Christian Dahl das Team, ab 2005 hieß es Polestar Racing. Polestar ist das englische Wort für den Polarstern.
Ab 2009 veredelte Polestar als offizieller Partner Serienmodelle von Volvo, zunächst unter dem Namen Polestar Performance. 2010 zeigte die Firma mit einem C30 einen Prototyp mit mehr als 400 PS, 2012 folgte ein S60 Polestar Concept. Im Juli 2015 kaufte Volvo die Tuningsparte samt dem Namen Polestar. Das Rennteam blieb bei Dahl und heißt seitdem Cyan Racing. Später holte es Titel für eine andere Geely-Marke: Lynk & Co.
Polestar begann nicht als Autohersteller, sondern als Rennteam, das mit Volvos Titel holte.

Neustart 2017: Elektro statt Tuning
Im Oktober 2017 machten Volvo Cars und die Geely Holding Polestar zur eigenständigen Marke für elektrische Performance-Autos. Chef wurde Thomas Ingenlath, ein deutscher Designer, der zuvor das Design von Volvo geleitet hatte. Am 17. Oktober 2017 zeigte Polestar das erste Modell, den Polestar 1, ein Coupé mit Plug-in-Hybridantrieb und 609 PS. Gebaut wurde es von 2019 bis 2021 in einem eigens errichteten Werk in Chengdu, höchstens 500 Stück im Jahr.
Das zweite Modell folgte im Februar 2019: der Polestar 2, eine Fließhecklimousine mit reinem Elektroantrieb. Seit März 2020 läuft er im chinesischen Luqiao vom Band, in einem Werk von Geely, das Volvo Cars betreibt. Laut Polestar war er das erste Auto mit dem Infotainment Android Automotive und eingebauten Google-Diensten. Verkauft wurde anfangs nur online, die Ausstellungsräume heißen bei Polestar Spaces.

Börse, Verluste, frisches Geld
Im Juni 2022 ging Polestar über die Fusion mit einer Zweckgesellschaft an die Nasdaq, brutto flossen dabei rund 890 Millionen Dollar. Zum Börsengang kündigte die Marke an, ihren Absatz von etwa 29.000 Autos im Jahr 2021 bis 2025 auf 290.000 zu verzehnfachen. Tatsächlich sanken die Verkäufe 2024 um 15 Prozent auf 44.851 Autos. Im Oktober 2024 übernahm Michael Lohscheller den Chefposten, ein Deutscher, der zuvor unter anderem Opel geführt hatte. Volvo Cars gab den Großteil seiner Anteile an die eigenen Aktionäre ab, seitdem halten Li Shufu und die Geely Holding die Mehrheit.
2025 verkaufte Polestar mit 60.119 Autos so viele wie nie, der Umsatz stieg um die Hälfte auf 3,06 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust wuchs trotzdem auf 2,36 Milliarden Dollar, gut eine Milliarde davon waren nicht zahlungswirksame Abschreibungen, 739 Millionen allein auf den Polestar 3. Ende 2025 und Anfang 2026 sagten Geely und weitere Geldgeber zusammen eine Milliarde Dollar zu, im März 2026 kamen 300 Millionen Dollar Eigenkapital von einem Konsortium um die Bank Crédit Agricole dazu.
Im Juni 2026 kündigte Polestar den Rückzug aus dem US-Neuwagengeschäft an. Das US-Handelsministerium hatte den Verkauf von Modellen ab dem Modelljahr 2027 nach einer Regel für vernetzte Fahrzeuge nicht genehmigt. Die USA standen für sechs Prozent der weltweiten Verkäufe, Europa für 80 Prozent.
Beim Börsengang kündigte Polestar das Zehnfache an, 2025 erreichte die Marke rund ein Fünftel des Ziels.

Ohne eigenes Werk, mit eigener Plattform
Eigene Fabriken hat Polestar nicht, gebaut wird in Werken von Volvo und Geely. Der Polestar 2 kommt aus Luqiao, der Polestar 4 aus dem Geely-Werk in der Hangzhou-Bucht. Den Polestar 3 baut Volvo in Chengdu und seit 2024 auch in Ridgeville im US-Bundesstaat South Carolina, Ende März 2026 kündigten beide Marken an, die gesamte Fertigung des Polestar 3 nach South Carolina zu holen. Der Polestar 7, ein Kompakt-SUV, soll 2028 auf den Markt kommen und im neuen Volvo-Werk im slowakischen Košice entstehen, als erster Polestar aus europäischer Fertigung.
Auch technisch nutzt Polestar viel aus dem Konzern, der Polestar 4 etwa steht auf der Elektroplattform SEA von Geely. Eine Ausnahme ist der Polestar 5, ein viersitziger Gran Turismo: Seine Plattform aus geklebtem Aluminium hat das Polestar-Team in Großbritannien entwickelt, die Elektrik arbeitet mit 800 Volt. Der Polestar 4 wiederum verzichtet auf eine Heckscheibe, den Blick nach hinten liefert eine Kamera auf dem Dach. Für seine Modelle legt Polestar die CO2-Bilanz offen, und mit dem Projekt Polestar 0 will die Marke bis 2030 ein Auto bauen, bei dem Emissionen vermieden statt ausgeglichen werden.
Polestar in Deutschland: vom Online-Shop zum Händler
In Deutschland begann der Verkauf im April 2020, zunächst ausschließlich online. Im August 2020 öffnete in Düsseldorf der erste deutsche Polestar Space, zeitgleich übergab Polestar die ersten Polestar 2 in sieben Auslieferungszentren bei Partnern aus dem Volvo-Netz. Zuständig ist die Polestar Automotive Germany GmbH in Köln. Werkstattarbeiten und Software-Updates übernehmen Servicepartner von Volvo Cars, laut Polestar mehr als 200.
Seit Februar 2025 verkaufen die Partner in den Spaces aktiv mit, im April 2026 stellte Polestar die Zusammenarbeit mit einem neuen Händlervertrag nochmals um. Das Ziel: die Zahl der Standorte 2026 verdoppeln und bis 2027 auf 30 Polestar Spaces kommen, bislang sind es 14. Erstmals gehört auch der Handel mit Gebrauchtwagen unter dem Namen Polestar Pre-Owned dazu.
Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden 2023 in Deutschland 6.288 neue Polestar zugelassen, 2024 nur 3.181 und 2025 wieder 5.007. Von Januar bis September 2026 kamen 3.805 dazu, knapp zwei Drittel davon Polestar 4. Angeboten werden der Polestar 2, der Polestar 3, der Polestar 4 als SUV und als Coupé sowie der Polestar 5, ein Nachfolger des Polestar 2 ist für 2027 angekündigt.
Bis 2027 will Polestar in Deutschland 30 Polestar Spaces betreiben, mehr als doppelt so viele wie heute.
Schwedische Marke, chinesische Eigentümer
Polestar ist eine schwedische Marke. Der Sitz liegt in Torslanda bei Göteborg, die Wurzeln reichen zu einem schwedischen Rennteam zurück, und Polestar selbst beschreibt sich als schwedische Marke. Die Mehrheit der Anteile halten seit 2024 allerdings Geely-Gründer Li Shufu und die Geely Holding, im Juni 2025 kamen beide zusammen auf rund zwei Drittel, Volvo Cars hielt noch rund 16 Prozent. Volvo Cars wiederum gehört seit 2010 zu Geely.
Im China Car Guide steht Polestar deshalb nicht als chinesische Marke, sondern weil sie zur Geely-Gruppe gehört und der Großteil ihrer Autos in China gebaut wird, der Polestar 2 in Luqiao und der Polestar 4 in der Hangzhou-Bucht. Wie eng diese Verbindung gesehen wird, zeigte 2026 der Rückzug aus den USA: Die dortige Regel für vernetzte Fahrzeuge richtet sich gegen Technik mit Verbindungen nach China.
Sitz in Schweden, Eigentümer überwiegend aus China, gebaut vor allem in China: Polestar passt in keine einfache Schublade.
Polestar in Jahreszahlen
- 1996Jan „Flash“ Nilsson gründet das Rennteam Flash Engineering, Volvo stellt Autos und Geld.
- 2005Unter dem neuen Eigentümer Christian Dahl heißt das Team Polestar Racing.
- 2015Volvo kauft die Tuningsparte und die Marke Polestar, das Rennteam wird zu Cyan Racing.
- 2017Volvo Cars und Geely machen Polestar zur Elektromarke, Premiere des Polestar 1.
- 2020Produktionsstart des Polestar 2 in Luqiao, Verkaufsstart in Deutschland, erster Space in Düsseldorf.
- 2022Börsengang an der Nasdaq im Juni, Premiere des ersten SUV, des Polestar 3.
- 2024Volvo senkt seinen Anteil deutlich, Michael Lohscheller wird Chef.
- 2025Rekordabsatz von 60.119 Autos, Premiere des Polestar 5 auf der IAA in München.
- 2026Rückzug aus dem US-Neuwagengeschäft, neuer Händlervertrag in Deutschland.
Für Käufer
Was das für dich heißt
- Garantie: 3 Jahre oder 100.000 km auf das Auto, 8 Jahre oder 160.000 km auf die Batterie (mindestens 70 Prozent Restkapazität), 12 Jahre gegen Durchrostung.
- Auswahl: vier Baureihen, Polestar 2, Polestar 3, Polestar 4 als SUV und Coupé sowie Polestar 5, alle rein elektrisch.
- Service: Wartung bei mehr als 200 Servicepartnern aus dem Netz von Volvo Cars, Verkauf über 14 Polestar Spaces (Stand 2026).
- Laden: Mit Polestar Charge erreichst du laut Polestar mehr als 1,25 Millionen öffentliche Ladepunkte in Europa (Oktober 2026).
Quellen
- Wikipedia: Cyan Racing (englisch)
- Wikipedia: Volvo Cars (englisch)
- Polestar und Gores Guggenheim: Announce Closing of Business Combination (23.06.2022)
- electrive: Erster deutscher Polestar Space in Düsseldorf eröffnet (21.08.2020)
- electrive: Polestar-Bilanz für 2025, Umsatz und Verlust deutlich gestiegen (20.04.2026)
- WardsAuto: US bans EV maker Polestar over connected vehicle technology (29.06.2026)
- electrive: Global production of Polestar 3 shifts exclusively to the US (31.03.2026)
- electrive: Volvo to build Polestar 7 in Slovakia (03.07.2025)
- Polestar Deutschland: Polestar treibt Netzwerktransformation voran (01.04.2026)
- Kraftfahrt-Bundesamt: Neuzulassungen nach Marken und Modellreihen (FZ 10), Datenlizenz by-2-0 · Lizenztext
- Wikipedia: Polestar (englisch)
Stand Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Fotos von Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz stehen am jeweiligen Bild.







