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Markenporträt

smart: Vom Swatch-Mobil zum Elektroauto von Mercedes und Geely

Swatch-Chef Nicolas Hayek wollte ein Stadtauto mit Elektro- oder Hybridantrieb, 1998 kam es mit Benzinmotor. Heute gehört smart je zur Hälfte Mercedes-Benz und Geely, jedes neue Modell fährt elektrisch.

7 Min. Lesezeit · Stand Oktober 2026 ·

Paris, Oktober 1996: Am Abend vor dem Autosalon steht vor dem Louvre ein kleiner Zweisitzer mit silberner Sicherheitszelle und farblich abgesetzten Karosserieteilen. Für eine eigene Pressekonferenz auf der Messe hat das junge smart-Team kein Budget, also inszeniert es das Auto wie eine Skulptur vor dem Museum. Erwartet werden rund 50 Gäste, nach Angaben von smart kommen fast 1.000. Dreißig Jahre später feiert in Paris wieder ein smart-Zweisitzer Premiere, und diesmal fährt er so, wie es Swatch-Chef Nicolas Hayek schon für das erste Modell verlangt hatte: mit Strom. Dazwischen liegen ein verschobener Marktstart, Jahre mit Verlusten und ein Neuanfang in China.

  • 1994

    gegründet von Daimler-Benz und Swatch

  • 2,50 m

    Länge des ersten smart city-coupé (1998)

  • 50:50

    Joint Venture von Mercedes-Benz und Geely

  • 19.990 €

    Einstiegspreis des neuen #2 in Deutschland

Ein Auto wie eine Swatch

Die Idee kam nicht aus der Autoindustrie. Nicolas Hayek, Chef des Uhrenkonzerns SMH, zu dem die Marke Swatch gehörte, wollte ein kleines, günstiges Stadtauto für zwei Personen auf die Straße bringen, mit austauschbaren Karosserieteilen ähnlich wie bei den Uhren und mit Elektro- oder Hybridantrieb. 1991 fand er in Volkswagen einen Partner, doch unter dem neuen Konzernchef Ferdinand Piëch stieg VW wieder aus.

Nach Absagen von BMW, Fiat, General Motors und Renault wurde Hayek bei Daimler-Benz fündig. Dort arbeitete der Designer und Ingenieur Johann Tomforde schon seit Jahren an Stadtautos, seine Studien eco-sprinter und eco-speedster waren nur 2,50 Meter lang und fuhren elektrisch. Am 4. März 1994 verkündeten beide Seiten in Stuttgart die Micro Compact Car AG mit Sitz im schweizerischen Biel: 51 Prozent für Daimler-Benz, 49 Prozent für SMH.

Schon um den Namen gab es Streit. Hayek wollte Swatch darin sehen, Daimler-Benz bestand auf einem neutralen Namen. Es wurde smart, ein Kürzel aus Swatch, Mercedes und Art. Im Dezember 1994 fiel die Wahl für das Werk auf Hambach in Lothringen, nahe der Grenze zum Saarland. Dort sollten die Zulieferer ihre Module mit eigenen Leuten direkt ins Auto einbauen.

Schon die ersten Studien für den smart fuhren elektrisch. Bis jeder neue smart elektrisch war, vergingen mehr als 25 Jahre.

Roter Zweisitzer smart city-coupé der ersten Generation mit schwarzem Rahmen, am Straßenrand geparkt
smart city-coupé der ersten Generation, Baujahr 2001: zwei Sitze auf 2,50 MeternFoto: Vauxford / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Elchtest, Verspätung, Benzinmotor

Am 27. Oktober 1997 eröffneten Frankreichs Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzler Helmut Kohl das Werk in Hambach, das bald den Spitznamen smartville trug. Kurz zuvor hatte der Zweisitzer auf der IAA in Frankfurt Premiere gefeiert, damals als smart city-coupé.

Der für März 1998 geplante Marktstart musste trotzdem warten. Die Prototypen zeigten bei Fahrversuchen Schwächen in der Stabilität, unter anderem beim Elchtest, einem schnellen Ausweichmanöver. Unter Gerhard Fritz, der Johann Tomforde als Chefingenieur ablöste, bekam das Auto einen tieferen Schwerpunkt, eine breitere Spur, ein strafferes Fahrwerk und zusätzliches Gewicht im Bug. Im Oktober 1998 kam der city-coupé dann in neun europäischen Ländern auf den Markt, darunter Deutschland: 2,50 Meter lang, mit Heckmotor und Heckantrieb.

Im Heck saß ein kleiner Benzinmotor. Hayek hatte auf einen Hybrid- oder Elektroantrieb gedrängt, Daimler-Benz sah dafür damals keine Zukunft. Schon 1996 hatte der Autokonzern seinen Anteil auf 81 Prozent erhöht, Ende 1998 verkaufte SMH auch den Rest. Damit gehörte smart ganz zu Daimler-Benz, das gerade mit Chrysler zu DaimlerChrysler fusionierte.

Mehrstöckiger Glasturm mit smart-Schriftzug, in dem mehrere bunte Zweisitzer übereinander stehen, daneben ein Gebäude und Herbstwald
Glasturm mit smart fortwo am Werk smartville in Hambach (2007)Foto: Markus Braun / Wikimedia Commons · Public domain

Verluste und ein früher Elektro-smart

Danach wuchs die Modellpalette: 2003 kam der Roadster, 2004 der viertürige forfour, den smart gemeinsam mit Mitsubishi im niederländischen Born baute. Für einen kleinen Geländewagen namens Formore wurden in Brasilien bereits Maschinen aufgebaut. Geld verdiente die Marke damit nicht, sie schrieb Verluste.

2005 und 2006 griff der Konzern durch. Der Formore wurde gestoppt, der Roadster lief nach rund 43.000 Exemplaren aus, Mitte 2006 endete die Produktion des forfour, und die smart GmbH wurde aufgelöst und in DaimlerChrysler eingegliedert. Übrig blieb der fortwo, dessen zweite Generation 2007 startete.

Elektrisch dachte smart trotzdem weiter. 2007 schickte die Marke in London 100 elektrische fortwo in einen Praxistest, 2009 begann die Serienfertigung. Die dritte Generation entwickelte smart gemeinsam mit Renault, der forfour kam ab 2014 aus dem slowenischen Novo Mesto. Ab 2020 gab es smart nur noch elektrisch, nach eigenen Angaben stellte die Marke als erster Autohersteller komplett vom Verbrenner auf Elektroautos um.

Mehrstöckiges Bürogebäude mit smart-Schriftzug und runder Glasfront an einer Straße
smart-Verwaltungszentrale auf einem Daimler-Gelände in Böblingen (2021)Foto: Giftzwerg 88 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Halb Mercedes, halb Geely

Der Neustart kam aus China. 2018 hatte Geely-Gründer Li Shufu knapp zehn Prozent an Daimler gekauft, 2019 gründeten Daimler und Geely für smart ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide je zur Hälfte beteiligt sind und in das jede Seite 2,7 Milliarden Yuan einbrachte. Die smart Automobile Co., Ltd. sitzt in Hangzhou Bay bei Ningbo. Gestaltet werden die neuen smart im Designnetzwerk von Mercedes-Benz, gebaut in Werken der Geely-Gruppe in China.

Die neuen Modelle sind zunächst keine Zweisitzer mehr, sondern SUV. Auf die Studie Concept #1 von der IAA Mobility 2021 in München folgte im April 2022 in Berlin die Premiere des #1, 2023 in Shanghai das SUV-Coupé #3 und 2024 in Australien der größere #5. Alle drei stehen auf der Elektroplattform SEA der Geely-Gruppe, der #5 lädt ab der Linie Pro+ mit 800-Volt-Technik und bis zu 400 kW.

Und smartville? Das Werk gehört seit Dezember 2020 dem britischen Hersteller Ineos Automotive, der dort den Geländewagen Grenadier baut, im März 2024 lief in Hambach der letzte fortwo vom Band. Mit dem #2 kehrt smart nun zum Zweisitzer zurück: rund 2,75 Meter lang, mit Hinterradantrieb, auf einer eigens entwickelten Plattform namens ECA und mit einer neuen Tridion-Zelle, deren Struktur zu mehr als 78 Prozent aus hochfestem Stahl besteht. Seine Weltpremiere feierte er am 12. Oktober 2026 in Paris.

Gestaltet bei Mercedes-Benz, gebaut in Werken von Geely: So entsteht heute jeder neue smart.

Vom Glasturm zum Mercedes-Autohaus

In Deutschland ist smart seit dem Marktstart im Oktober 1998 vertreten. Bis 2005 gab es hier 106 eigenständige smart Center, gut zu erkennen an ihren Glastürmen, in denen die Zweisitzer übereinander standen. Nach dem Umbau des Vertriebs im März 2005 übernahmen vor allem Niederlassungen von Daimler, die meisten smart Center schlossen bis 2006.

Heute verantwortet die im Juni 2020 gegründete smart Europe GmbH in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart Vertrieb, Marketing und Service in Europa. Bestellt wird online oder bei smart Vertriebspartnern, deren Showrooms in Betriebe des Mercedes-Benz-Netzes integriert sind, im April 2025 nannte smart mehr als 100 Partner in Deutschland. Beim #1 und beim #5 war Deutschland jeweils der erste europäische Markt.

Ohne den auslaufenden fortwo gerechnet, zählte das Kraftfahrt-Bundesamt 2024 in Deutschland 9.326 neue smart, 2025 nur noch 4.718. Von Januar bis September 2026 waren es schon 6.630, mehr als die Hälfte davon #5. Dazu sind laut smart noch über 300.000 fortwo zugelassen.

Das nächste Kapitel beginnt mit dem #2: Seit dem 13. Oktober 2026 ist der Zweisitzer ab 19.990 Euro bestellbar, ausgeliefert wird er nach Abschluss der Typgenehmigung ab Mitte 2027.

Gläserner Turm mit smart-Logo neben einem runden Verkaufsgebäude, davor mehrere geparkte Zweisitzer an einer Straße
Früheres smart Center mit Glasturm in Darmstadt, entworfen von Ralph Küster (2011)Foto: Christos Vittoratos / Wikimedia Commons, Kennzeichen unkenntlich gemacht · CC BY-SA 3.0

Deutsch, chinesisch oder beides?

Eine chinesische Marke im eigentlichen Sinn ist smart nicht. Gegründet haben sie 1994 Daimler-Benz und der Swatch-Konzern, gebaut wurde der erste smart im lothringischen Hambach. Seit 2019 gehört die Marke einem Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Ningbo, an dem Mercedes-Benz und Geely je zur Hälfte beteiligt sind. Design und Entwicklung finden laut smart in Europa statt, für Vertrieb und Service in Europa ist die smart Europe GmbH bei Stuttgart zuständig, verkauft wird in Deutschland über Betriebe aus dem Mercedes-Benz-Netz.

Im China Car Guide steht smart trotzdem, weil die SUV #1, #3 und #5 auf der Elektroplattform SEA von Geely stehen und in Geely-Werken in China vom Band laufen. Wer sich für Autos aus chinesischer Fertigung interessiert, findet hier deshalb auch smart, mit seiner ganzen Geschichte.

Gegründet von Daimler-Benz und Swatch, heute je zur Hälfte Mercedes-Benz und Geely: smart ist eine deutsch-chinesische Marke.

smart in Jahreszahlen

  1. 1994Daimler-Benz und der Swatch-Konzern SMH gründen die Micro Compact Car AG mit Sitz in Biel.
  2. 1996Vor dem Louvre in Paris zeigt smart das Konzept seines ersten Zweisitzers.
  3. 1997Premiere des smart city-coupé auf der IAA, im Oktober Eröffnung des Werks smartville in Hambach.
  4. 1998Marktstart im Oktober, auch in Deutschland; Ende des Jahres übernimmt Daimler-Benz alle Anteile.
  5. 2007Zweite fortwo-Generation; in London fahren 100 elektrische fortwo im Praxistest.
  6. 2019Daimler und Geely gründen das Joint Venture smart Automobile mit Sitz bei Ningbo.
  7. 2020smart gibt es nur noch elektrisch, die smart Europe GmbH entsteht, das Werk Hambach geht an Ineos.
  8. 2022Weltpremiere des #1 in Berlin, des ersten smart der neuen Generation.
  9. 2024Im März endet in Hambach die Produktion des fortwo, im August debütiert der #5.
  10. 2026Weltpremiere des Zweisitzers #2 in Paris, Bestellstart in Deutschland am 13. Oktober.

Für Käufer

Was das für dich heißt

  • Garantie: #1, #3 und #5 haben 2 Jahre ohne Kilometergrenze (mit integriertem Servicepaket 3 Jahre), der #2 hat 3 Jahre, die Hochvoltbatterie jeweils 8 Jahre oder 200.000 km.
  • Auswahl: vier Elektroautos, vom Zweisitzer #2 (ab 19.990 Euro, Auslieferung ab Mitte 2027) über die SUV #1 und #5 bis zum SUV-Coupé #3.
  • Händler: Bestellung online oder bei smart Vertriebspartnern im Mercedes-Benz-Netz, laut smart mehr als 100 in Deutschland (Stand April 2025).
  • Software: Over-the-Air-Updates sind laut smart kostenlos, für #1 und #3 sowie für den #5 gibt es eigene deutsche Versionshinweise.

Quellen

  1. smart: Niemals nur ein Auto unter vielen (09.10.2026)
  2. smart: Die Geschichte des smart fortwo
  3. smart: Über smart, Meilensteine der Marke
  4. smart: Organisationen (smart Automobile und smart Europe)
  5. smart: Weltpremiere des #2 (12.10.2026)
  6. smart: #2 ab 19.990 Euro, Bestellstart am 13.10.2026 (12.10.2026)
  7. smart: Innenraum und ECA-Plattform des #2 (22.06.2026)
  8. Kraftfahrt-Bundesamt: Neuzulassungen nach Marken und Modellreihen (FZ 10), Datenlizenz by-2-0 · Lizenztext
  9. Wikipedia: Smart (Automarke)
  10. Wikipedia: Smart (marque) (englisch)

Stand Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Fotos von Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz stehen am jeweiligen Bild.

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