Zum Inhalt springen

Kosten

Typklassen 2027: Was die Einstufung für chinesische Autos bedeutet

Was Typklassen sind, warum manche chinesischen Modelle in der Vollkasko hoch eingestuft sind, was das für deinen Beitrag heißt und wie du sparst.

18. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit ·

Wer ein E-Auto einer chinesischen Marke versichern will, staunt oft über die Unterschiede: Zwei ähnlich große Modelle können in der Vollkasko viele Klassen auseinanderliegen. Ein Grund ist die Typklasse. Hier steht, was sie misst, wie die Modelle für 2027 eingestuft sind und wie du trotzdem sparst.

Was die Typklasse misst

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stuft jedes Jahr rund 33.000 Automodelle ein. Grundlage sind die Schäden und Reparaturkosten der letzten drei Jahre. Ein unabhängiger Treuhänder ermittelt, ob der Schadenbedarf eines Fahrzeugtyps im Verhältnis zu allen anderen gestiegen oder gesunken ist. Verursacht ein Modell im Schnitt weniger und günstigere Schäden, rutscht es in eine niedrigere Klasse, sonst in eine höhere.

Es gibt drei getrennte Skalen:

VersicherungKlassenWas zählt
Haftpflicht10–25Schäden, die Fahrer des Modells anderen zufügen
Teilkasko10–33etwa Diebstahl, Glas, Brand, Wildunfall, Sturm und Hagel
Vollkasko10–34Teilkasko-Schäden plus selbst verursachte Unfälle am eigenen Auto

Der GDV stuft jede Version einzeln ein, erkennbar an Herstellernummer (HSN) und Typschlüsselnummer (TSN) im Fahrzeugschein. Bei E-Autos steht in der Abfrage oft weniger Leistung als im Prospekt: Eingetragen ist die 30-Minuten-Leistung aus den Zulassungsdokumenten, nicht die kurzzeitige Spitzenleistung. Der BYD Atto 2 steht beim GDV zum Beispiel mit 65 kW, laut Hersteller leistet er 130 bis 150 kW.

Die Statistik ist für Versicherer unverbindlich. Sie können sie für neue Verträge sofort und für bestehende ab dem nächsten Versicherungsjahr anwenden, meist zum 1. Januar. Für 2027 bekommen laut GDV über 12 Millionen Autofahrer in der Haftpflicht eine neue Typklasse: rund 7,4 Millionen eine höhere, rund 5,1 Millionen eine niedrigere.

So sind chinesische Modelle für 2027 eingestuft

Eine Auswahl, jeweils die Spanne über alle Versionen eines Modells:

ModellHaftpflichtTeilkaskoVollkasko
Polestar 2131916
MG4 EV192019
GWM ORA 03172020
smart #316–192020–25
Leapmotor B1018–1921–2322–26
BYD Dolphin Surf131923
MG4 EV Urban192026
XPENG G6212427
BYD Sealion 7212530
Zeekr 7X202330
Omoda 9222631
MGS9 PHEV212431
NIO EL8222632

Alle Modelle mit allen drei Klassen findest du unter Typklassen. Noch ohne GDV-Typklasse sind unter anderem Denza Z9GT, HAVAL H6 und Jolion Pro, JAC E30X, MG IM5 und IM6, smart #2, XPENG L03, G9L und X9 sowie der Zeekr 9X. Für diese Modelle fragst du am besten direkt beim Versicherer nach der Einstufung.

Gegenüber 2026 sind in der Vollkasko deutlich mehr Modelle chinesischer Marken niedriger als höher eingestuft. Eine Klasse günstiger sind unter anderem BYD Dolphin, Polestar 2 und XPENG G6, zwei Klassen der MG HS PHEV. Eine Klasse höher stehen GWM ORA 03 und smart #5. In der Haftpflicht ging es dagegen bei einigen Modellen nach oben, beim Leapmotor T03 und beim MG HS Hybrid+ um je drei Klassen.

Warum manche Modelle hoch eingestuft sind

Teure Autos, teure Teile. In der Kasko zählen laut GDV neben der Zahl der Schäden auch Wiederbeschaffungswert, Reparaturkosten und Ersatzteilpreise. Teure Autos und teure Teile führen deshalb meist zu höheren Vollkasko-Klassen. Die chinesischen Modelle mit Klasse 30 und mehr sind große SUV wie NIO EL8, Omoda 9, MGS9, Zeekr 7X und BYD Sealion 7.

Neue Modelle ohne eigene Bilanz. Für ganz neue Modelle gibt es noch keine Schadenstatistik. Der GDV zieht dann die Schadenerwartung vergleichbarer Fahrzeuge heran und nutzt für die Vollkasko einen Crashtest, der den Reparaturaufwand für einen typischen Unfall im Stadtverkehr ermittelt. Mehrere chinesische Modelle sind jünger als die Schadenjahre 2023 bis 2025: Den MG4 EV Urban und den MGS9 PHEV führt der GDV mit Baujahr ab 2026. Der MG4 EV Urban steht in der Vollkasko bei 26, der seit 2022 geführte MG4 EV bei 19. Mit jedem Jahr echter Schäden wird neu gerechnet.

E-Autos allgemein. Nach der jüngsten GDV-Auswertung liegen die Vollkasko-Schäden von E-Autos im Schnitt nur noch 15 bis 20 % über denen vergleichbarer Verbrenner, der Abstand schrumpft. Nach Unfällen muss ein E-Auto erst stromlos gemacht werden, dafür braucht es geschulte Fachkräfte. Zudem steigen die Reparaturkosten laut GDV seit Jahren stärker als die allgemeine Teuerung.

Die Version macht den Unterschied. Innerhalb eines Modells können die Klassen weit auseinanderliegen: Beim smart #3 steht die Standardversion in der Vollkasko bei 20, der Brabus bei 25. Beim Leapmotor B10 liegt die Elektroversion bei 22, die Version mit Range Extender bei 26.

Was die Typklasse für deinen Beitrag bedeutet

Die Typklasse ist nur ein Baustein. Je höher die Klasse, desto teurer wird es in der Regel, aber wie viel eine Klasse in Euro ausmacht, legt jeder Versicherer in seinem Tarif fest. Daneben zählen laut GDV unter anderem:

  • die Regionalklasse deines Zulassungsbezirks (für 2027 neu berechnet für 413 Bezirke)
  • deine Schadenfreiheitsklasse
  • Fahrerkreis, Jahresfahrleistung, Alter der Fahrer und Berufsgruppe
  • die Selbstbeteiligung in der Kasko und eine mögliche Werkstattbindung

Ändert sich die Typklasse deines Autos, gilt das für bestehende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr. Nach den Musterbedingungen des GDV (AKB) muss der Versicherer eine Erhöhung spätestens einen Monat vorher mitteilen und auf dein Kündigungsrecht hinweisen. Du kannst dann innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung kündigen. Ändern sich Typ- und Regionalklasse zugleich, zählt die Summe. Maßgeblich sind die Bedingungen deines Vertrags.

Unabhängig davon kannst du zum Ende des Versicherungsjahres mit einem Monat Frist kündigen. Endet das Versicherungsjahr am 31.12., muss die Kündigung also spätestens am 30.11. beim Versicherer sein.

So sparst du trotz hoher Typklasse

  1. Vor dem Kauf vergleichen, und zwar die genaue Version. Wie das Beispiel smart #3 zeigt, kann schon die Motorisierung fünf Vollkasko-Klassen ausmachen.
  2. Werkstattbindung prüfen. Wer Kaskoschäden in einer Partnerwerkstatt des Versicherers reparieren lässt, zahlt weniger. Laut ADAC senken manche Versicherer so den Kaskobeitrag um bis zu 20 %. Inspektionen betrifft das nicht. Bei Leasingautos bestimmt oft der Leasinggeber die Werkstatt.
  3. Selbstbeteiligung wählen. Eine Selbstbeteiligung in der Kasko, etwa 150 oder 300 €, beeinflusst laut GDV die Höhe des Beitrags.
  4. Fahrerkreis und Kilometer ehrlich und knapp angeben. Beides fließt in den Beitrag ein.
  5. Akkuschutz ansehen. Der Akku ist als Fahrzeugteil in der Kasko eingeschlossen. Welche Schäden versichert sind, etwa Brand, Kurzschluss oder Folgen von Tierbiss, und ob im Schadenfall der Neuwert oder der Zeitwert des Akkus ersetzt wird, hängt vom Tarif ab.
  6. Wechseln, wenn es sich lohnt. Den Schadenfreiheitsrabatt nimmst du zum neuen Versicherer mit, auch beim Umstieg vom Verbrenner aufs E-Auto.

Häufige Fragen

Warum ist mein chinesisches E-Auto so hoch eingestuft?

Meist kommen mehrere Gründe zusammen: In der Kasko zählen laut GDV neben der Schadenzahl auch Wiederbeschaffungswert, Reparaturkosten und Ersatzteilpreise, deshalb liegen große, teure SUV oft hoch. Für ganz neue Modelle gibt es noch keine eigene Schadenbilanz. Der GDV schätzt sie dann über vergleichbare Fahrzeuge und einen Crashtest ein.

Warum steht in der Typklassenabfrage weniger Leistung als im Prospekt?

Der GDV übernimmt die Leistung aus den Zulassungsdokumenten. Dort steht bei reinen E-Autos die 30-Minuten-Leistung, bei Hybriden nur die Leistung des Verbrennungsmotors. Die Spitzenleistung aus dem Prospekt taucht dort nicht auf. Den BYD Atto 2 führt der GDV zum Beispiel mit 65 kW. Sicher findest du dein Auto über HSN und TSN aus dem Fahrzeugschein.

Wann gilt die neue Typklasse für meinen Vertrag?

Für neue Verträge können die Versicherer die Typklassen 2027 sofort anwenden, für bestehende ab dem nächsten Versicherungsjahr, in der Regel ab 1. Januar. Die Statistik ist unverbindlich, jeder Versicherer entscheidet selbst, wie er sie im Tarif umsetzt.

Darf ich kündigen, wenn mein Beitrag wegen der Typklasse steigt?

Nach den Musterbedingungen des GDV ja: innerhalb eines Monats, nachdem dir die Erhöhung mitgeteilt wurde. Ändern sich Typ- und Regionalklasse gleichzeitig, kommt es auf die Summe an. Prüfe die Bedingungen deines Vertrags. Ohne Erhöhung kannst du mit einem Monat Frist zum Ende des Versicherungsjahres kündigen, bei Verträgen bis 31.12. also bis 30.11.

Mein Modell hat noch keine Typklasse. Was nun?

Für einige neue Modelle führt der GDV in der Statistik für 2027 noch keine Typklasse, etwa für XPENG L03, MG IM5 und IM6, smart #2 und Zeekr 9X. Frag dann beim Versicherer nach, wie er das Auto einstuft, und vergleiche mehrere Angebote. Für ein genaues Angebot brauchst du HSN und TSN aus dem Fahrzeugschein.

Stand 18. Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr; Preise und Bedingungen können sich ändern. Keine Rechts- oder Steuerberatung.

Weitere Ratgeber