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Markenporträt

Leapmotor: Wie Stellantis das Start-up nach Europa brachte

Zwei Mitgründer eines Videotechnik-Konzerns starteten Leapmotor 2015. Heute liefert die Marke über 100.000 Autos im Monat aus und liegt in Deutschland bei reinen Elektroautos vor BYD.

6 Min. Lesezeit · Stand Oktober 2026 ·

Hangzhou, Dezember 2015: Der Videotechnik-Konzern Dahua Technology und zwei seiner Mitgründer, Fu Liquan und Zhu Jiangming, gründen eine Elektroautofirma. Ihr erstes Modell, ein kleines Coupé namens S01, steht im November 2017 auf der Automesse in Guangzhou, an Kunden geht es im Juni 2019. Bis zur ersten halben Million ausgelieferter Autos vergehen danach 64 Monate. Für die dritte halbe Million braucht Leapmotor nur noch acht. Den Weg nach Europa ebnet dabei Stellantis, der Konzern hinter Opel, Peugeot und Fiat.

  • 2015

    in Hangzhou gegründet

  • 596.555

    Auslieferungen weltweit 2025

  • 1,5 Mrd.

    Euro investierte Stellantis 2023

  • 16.044

    Neuzulassungen in Deutschland bis Sept. 2026

Gründer aus der Videotechnik

Fu Liquan und Zhu Jiangming hatten zuvor Dahua Technology mitgegründet, einen Spezialisten für Videoüberwachung. Die Marke Leapmotor ging im März 2017 offiziell an den Start, der Name kommt vom englischen Wort leap für Sprung. Im Juni 2018 kündigte das Unternehmen einen gemeinsam mit Dahua entwickelten KI-Chip für autonomes Fahren an, im April 2019 warb es auf der Auto Shanghai noch als Start-up um Geldgeber.

Nach dem Coupé S01 kamen 2020 der Kleinstwagen T03 und das SUV C11 auf den Markt, 2022 baute Leapmotor rund 111.000 Autos. Dabei setzt die Firma auf eigene Bauteile: Elektromotoren, Fahrzeugrechner und LED-Leuchten entwickelt und baut sie selbst. Heute stammen rund 65 Prozent der Komponenten aus dem eigenen Firmenverbund, zu dem Beteiligungen an mehr als 50 Unternehmen gehören. Zhu Jiangming führt Leapmotor als Chairman.

Bürohochhäuser mit Glasfassaden, an einem dunklen Gebäudeteil das Leapmotor-Logo, davor eine Zufahrt mit Parkplatz
Leapmotor-Zentrale in Hangzhou (2025)Foto: Huandy618 / Wikimedia Commons, Kennzeichen unkenntlich gemacht · CC0

Zellen im Fahrgestell, Benziner als Generator

Technisch arbeitet Leapmotor mit eigenen Architekturen, die Versionsnummern tragen. Im Mai 2022 kündigte die Marke Cell-to-Chassis an: Die Batteriezellen sitzen dabei ohne eigenes Batteriepaket direkt im Fahrgestell. Das SUV C10, das erste Modell für den Weltmarkt, zeigte Leapmotor im September 2023 auf der IAA Mobility in München, aufgebaut auf der Architektur LEAP 3.0. Den C10 gibt es zudem in einer Version mit 800-Volt-Technik für schnelleres Laden. Bedient werden die Autos über das eigene Betriebssystem Leap OS, das auf Chips von Qualcomm läuft und per Over-the-Air-Update neue Funktionen bekommt. Für die Assistenzsysteme nutzt Leapmotor unter anderem Technik von Bosch, ZF, Nvidia und NXP.

Neben reinen Elektroautos baut Leapmotor Range Extender, bei denen ein 1,5-Liter-Benziner nur Strom erzeugt und nie die Räder antreibt. In Deutschland heißt diese Technik Hybrid EV und steckt in C10 und B10. Im September 2026 kündigte Leapmotor erstmals auch einen Plug-in-Hybrid an, dazu die Architektur LEAP 5.0 für Modelle ab 2027: Sie ersetzt das 12-Volt-Bordnetz durch 48 Volt, kürzt die Kabelstränge auf unter 500 Meter und schafft mit Klimaanlage und Antrieb im Heck mehr Platz im Innenraum.

Beim Hybrid EV treibt immer der Elektromotor, der Benziner arbeitet nur als Stromerzeuger.

Aufgeschnittenes Fahrgestell mit sichtbaren Batteriezellen im Boden und beschrifteten Steuergeräten
Fahrgestell der LEAP-3.0-Architektur mit Batteriezellen im Boden, Auto Guangzhou 2023Foto: Tim Wu / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Der Pakt mit Stellantis

Im Oktober 2023 kaufte sich Stellantis für rund 1,5 Milliarden Euro mit etwa 20 Prozent bei Leapmotor ein. Zugleich gründeten beide das Gemeinschaftsunternehmen Leapmotor International, an dem Stellantis 51 und Leapmotor 49 Prozent hält. Es hat die exklusiven Rechte, die Autos außerhalb Chinas zu bauen und zu verkaufen. Ende 2025 stieg zusätzlich der staatliche Autokonzern FAW mit 5 Prozent ein, der Anteil von Stellantis sank damit auf knapp 19 Prozent.

Die Auslieferungen verdoppelten sich 2025 auf 596.555 Fahrzeuge, und erstmals schrieb Leapmotor über ein ganzes Jahr schwarze Zahlen, als zweites chinesisches Elektroauto-Start-up nach Li Auto. Mit 67.052 exportierten Autos lag Leapmotor 2025 zudem vor allen anderen chinesischen Elektroauto-Start-ups. Im Oktober 2025 war die erste Million erreicht, im Juni 2026 waren es 1,5 Millionen. Im September 2026 lieferte Leapmotor mit 105.656 Autos so viele aus wie nie zuvor in einem Monat, nach neun Monaten lag das Jahr mit 666.539 Fahrzeugen schon über dem gesamten Vorjahr. Mehr als 150.000 davon gingen ins Ausland, für das ganze Jahr 2026 hat sich Leapmotor eine Million vorgenommen.

Gefertigt wird inzwischen auch in Europa. Von Juni 2024 bis März 2025 lief der T03 im Stellantis-Werk im polnischen Tychy vom Band, im Oktober 2026 meldete Leapmotor den Produktionsstart des B10 im Stellantis-Werk im spanischen Saragossa.

Deutschland: im Netz von Stellantis

In Deutschland begann der Verkauf im Herbst 2024 mit dem Kleinstwagen T03 und dem SUV C10, als Teil eines Starts in neun europäischen Ländern. Importeur ist die Leapmotor International B.V. im niederländischen Hoofddorp, verkauft und gewartet werden die Autos bei Betrieben aus dem Händler- und Servicenetz von Stellantis. Europaweit nennt Leapmotor mehr als 800 Händler und mehr als 500 Werkstätten, die Händlersuche zeigt für Deutschland 196 Standorte (Stand Oktober 2026). Ersatzteile kommen über die Logistik von Stellantis, laut Leapmotor mit täglichen Lieferungen.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen 2024 erst 178 Leapmotor neu auf deutsche Straßen, 2025 waren es 7.280 und von Januar bis September 2026 bereits 16.044. Seit Juli 2026 liegt der Marktanteil jeden Monat über einem Prozent, bei reinen Elektroautos ist die Marke seit Juni vor BYD, MG und XPENG. Meistverkauftes Modell ist mit 7.770 Neuzulassungen bis September 2026 der Kleinstwagen T03, der laut Preisliste ab 18.900 Euro kostet.

Angeboten werden fünf Modelle vom T03 bis zum C10, B10 und C10 gibt es auch als Hybrid EV. Als Nächstes ist der kompakte B03 angekündigt, den Leapmotor im Oktober 2026 auf dem Pariser Autosalon zeigte.

Was als Nächstes kommt

Die Zusammenarbeit mit Stellantis geht über den Vertrieb hinaus. Im Mai 2026 vereinbarten beide, im Werk Saragossa auch ein Opel-SUV auf Basis des B10 zu bauen, die Produktion soll 2028 beginnen. Außerdem soll das Stellantis-Werk Villaverde in Madrid an eine spanische Tochter von Leapmotor International gehen. Auf dem Pariser Autosalon 2026 zeigte Leapmotor neben dem B03 das große SUV D19, ein Flaggschiff mit Range Extender.

In China hat Leapmotor mit FAW einen zweiten großen Partner. Gemeinsam entwickeln beide ein Modell der Marke Hongqi für den Export, das auf der Technik des B10 aufbaut und in Hangzhou gebaut werden soll. Für Kunden in Deutschland zählt vorerst Praktisches: Öffentlich laden sie über den Charging Pass und die App von Free2Move Charge, die Zugang zu einem großen Ladenetz in ganz Europa bieten.

Ab 2028 soll in Saragossa ein Opel vom Band laufen, der auf dem Leapmotor B10 aufbaut.

Leapmotor in Jahreszahlen

  1. 2015Dahua Technology, Fu Liquan und Zhu Jiangming gründen Leapmotor im Dezember in Hangzhou.
  2. 2017Offizieller Start der Marke, erste Präsentation des Elektrocoupés S01.
  3. 2019Im Juni gehen die ersten S01 an Kunden.
  4. 2020Kleinstwagen T03 und SUV C11 kommen in China auf den Markt.
  5. 2022Leapmotor stellt die Cell-to-Chassis-Bauweise (CTC) vor.
  6. 2023Der C10 debütiert auf der IAA in München, Stellantis steigt mit rund 20 Prozent ein.
  7. 2024Europastart mit T03 und C10, auch in Deutschland.
  8. 2025Eine Million Auslieferungen im Oktober, erstes Geschäftsjahr mit Gewinn.
  9. 2026Erstmals über 100.000 Auslieferungen im Monat, Produktionsstart des B10 in Saragossa.

Für Käufer

Was das für dich heißt

  • Garantie: 4 Jahre oder 100.000 km auf das Auto (T03: 3 Jahre oder 100.000 km), 8 Jahre oder 160.000 km auf die Batterie.
  • Händler: Verkauf und Service in Betrieben aus dem Stellantis-Netz, Importeur ist Leapmotor International in Hoofddorp (Niederlande).
  • Auswahl: fünf Modelle vom Kleinstwagen T03 bis zum SUV C10, B10 und C10 gibt es auch mit Range Extender.
  • Software: eigenes Betriebssystem Leap OS, neue Funktionen kommen per Over-the-Air-Update.

Quellen

  1. Stellantis: Leapmotor übertrifft 1,5 Millionen Auslieferungen (18.06.2026)
  2. Leapmotor Deutschland: Händler- und Servicenetz
  3. Leapmotor Deutschland: Impressum (Leapmotor International B.V.)
  4. Leapmotor: Der C10 debütiert auf der IAA in München (05.09.2023, englisch)
  5. CnEVPost: Erster Jahresgewinn von Leapmotor (16.03.2026, englisch)
  6. CnEVPost: Auslieferungen im September 2026 (01.10.2026, englisch)
  7. CnEVPost: Produktionsstart des B10 in Spanien (13.10.2026, englisch)
  8. Kraftfahrt-Bundesamt: Neuzulassungen nach Marken und Modellreihen (FZ 10), Datenlizenz by-2-0 · Lizenztext
  9. Wikipedia: Leapmotor (englisch)
  10. Wikipedia: Leapmotor

Stand Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Fotos von Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz stehen am jeweiligen Bild.

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