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Markenporträt

MG: Aus Oxford nach Shanghai und zurück nach Europa

1924 begann MG in einer Autowerkstatt in Oxford, 2005 ging der letzte britische Besitzer pleite. Heute gehört die Marke zu SAIC aus Shanghai und war 2025 die meistverkaufte chinesische Marke in Europa.

6 Min. Lesezeit · Stand Oktober 2026 ·

Longbridge bei Birmingham, 7. April 2005: Bei MG Rover stehen die Bänder still, es fehlen Zulieferteile. Am Tag darauf geht das Unternehmen in die Insolvenzverwaltung, der letzte britische Massenhersteller in britischer Hand ist am Ende, mehr als 6.000 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit. Mit ihm verschwindet vorerst auch MG, die Sportwagenmarke, die 1924 bei einem Autohändler in Oxford begonnen hatte. Im Juli kauft die Nanjing Automobile Group die Reste für rund 53 Millionen Pfund. Zwanzig Jahre später verkauft MG in Europa mehr als 300.000 Autos im Jahr.

  • 1924

    MG-Emblem als Marke eingetragen

  • 53 Mio. £

    Kaufpreis für MG und Longbridge 2005

  • 300.000

    verkaufte Autos in EU und UK 2025

  • 27.363

    Neuzulassungen in Deutschland 2026 bis Sept.

Kimbers Sonderwagen aus Oxford

Die Geschichte beginnt bei einem Autohändler. William Morris, der in Oxford selbst Autos baute, verkaufte und reparierte sie in seinen Morris Garages in der Longwall Street. 1921 kam Cecil Kimber als Verkaufsleiter dazu, ein Jahr später war er Geschäftsführer. Um mehr Autos zu verkaufen, setzte er auf Morris-Fahrgestelle eigene, sportlichere Karosserien. Am 1. Mai 1924 ließen die Morris Garages ihr achteckiges Emblem als Marke eintragen. Aus den Initialen wurde MG, das Achteck trägt die Marke bis heute.

Die Nachfrage wuchs schnell, die Räume wurden bald zu klein. Nach mehreren Umzügen innerhalb von Oxford zog MG 1929 in eine frühere Lederfabrik in Abingdon, 1930 wurde die M.G. Car Company gegründet. Dort entstanden fünf Jahrzehnte lang vor allem kleine, offene Zweisitzer.

MG begann nicht als Fabrik, sondern als Verkaufsidee in der Werkstatt eines Autohändlers.

Zweistöckiges Backsteingebäude mit weißen Sprossenfenstern, grünen Holztoren und einem Straßenschild Longwall Street an der Ecke
Früheres Gebäude der Morris Garages in der Longwall Street in Oxford (2025)Foto: Tilman2007 / Wikimedia Commons, Personen unkenntlich gemacht · CC BY-SA 4.0

Rennen, Rekorde und der MGB

Bekannt wurde MG auf der Rennstrecke. 1933 holte ein K3 Magnette mit Kompressor den Klassensieg bei der Mille Miglia in Italien. Nach dem Krieg jagte die Marke Geschwindigkeitsrekorde: Im stromlinienförmigen EX181 fuhr Stirling Moss 1957 auf dem Salzsee von Bonneville über 395 km/h, zwei Jahre später erreichte Phil Hill damit 410,2 km/h. In den Fünfzigern wurden die USA zum wichtigsten Exportmarkt. Der größte Verkaufserfolg war der MGB, von 1962 bis 1980 wurde er mehr als eine halbe Million Mal gebaut.

Hinter den Kulissen wechselten derweil die Besitzer. 1935 verkaufte William Morris MG an seine Firma Morris Motors, 1952 ging sie in der British Motor Corporation auf, 1968 in British Leyland. Der Konzern steckte sein Geld vor allem in Großserienmodelle, die MG-Sportwagen veralteten. Am 24. Oktober 1980 schloss das Werk in Abingdon, das letzte Auto, das dort vom Band lief, war ein MGB.

1959 fuhr ein MG über 410 km/h schnell. 21 Jahre später schloss das Werk in Abingdon.

Grüner tropfenförmiger Rekordwagen MG EX181 mit MG-Emblem sowie britischer und US-Flagge in einer Museumshalle
Rekordwagen MG EX181 von 1957 im Heritage Motor Centre in GaydonFoto: Morio / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Zehn Pfund und eine Pleite

In den Achtzigern stand das MG-Emblem auf sportlicheren Versionen von Austin Metro, Maestro und Montego. Eigene Modelle kamen erst wieder 1992 mit dem RV8 und 1995 mit dem Mittelmotor-Roadster MGF. Die Marke wanderte weiter, 1988 zu British Aerospace, 1994 zu BMW. Weil das Geschäft hohe Verluste machte, verkaufte BMW es im Mai 2000 für symbolische zehn Pfund an ein Konsortium britischer Geschäftsleute. Daraus wurde die MG Rover Group mit dem Werk in Longbridge.

Gewinn machte sie nie. 2004 verhandelte MG Rover mit SAIC aus Shanghai über ein Gemeinschaftsunternehmen, im April 2005 scheiterten die Gespräche, und die Firma war zahlungsunfähig. SAIC hatte sich zuvor schon die Rechte an den Modellen Rover 25 und 75 gesichert, nicht aber an der Marke Rover, und gründete dafür in China die Marke Roewe. Den Zuschlag für MG, das Werk und die Maschinen bekam im Juli 2005 jedoch Nanjing Automobile.

Ab März 2007 liefen in Nanjing wieder MG vom Band. Im Dezember 2007 ging Nanjing Automobile in SAIC auf, und damit gehörte MG am Ende doch zu dem Konzern, der zwei Jahre zuvor nicht zum Zug gekommen war.

Werkseinfahrt mit weißem Zaun und dem Schriftzug MG Motor UK Limited, daneben ein roter Pylon mit MG-Emblem und Fahnenmasten mit britischer, MG- und chinesischer Flagge
MG Motor UK in Longbridge mit britischer, MG- und chinesischer Flagge (2016)Foto: Elliott Brown / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0

Der zweite Anlauf in Europa

In Longbridge baute MG ab 2008 wieder den Roadster TF, 2011 kam mit dem MG6 das erste völlig neue MG-Modell seit 16 Jahren. Im September 2016 endete die Montage in England, seitdem kommen die Autos aus China. Entwickelt werden sie von SAIC, mit Designstudios in Shanghai und London. Im Ausland ist MG die wichtigste Marke des Konzerns: 2023 verkaufte MG rund 840.000 Autos, 88 Prozent davon außerhalb Chinas.

Aufs europäische Festland kam MG Ende 2019 mit dem ZS EV, einem elektrischen Kompakt-SUV. 2022 folgte der MG4 EV, das erste von Grund auf als Elektroauto entwickelte MG-Modell, auf der Plattform MSP. 2024, zum 100. Geburtstag, brachte MG mit dem Cyberster wieder einen offenen Zweisitzer, diesmal elektrisch.

Seit Ende Oktober 2024 erhebt die EU auf Elektroautos von SAIC aus China einen Ausgleichszoll von 35,3 Prozent, zusätzlich zum regulären Zoll von 10 Prozent. Hybride sind davon nicht betroffen, und bei ihnen legte MG kräftig zu: 2025 verkaufte die Marke in Europa rund 137.000 Vollhybride der Reihe Hybrid+, viermal so viele wie im Jahr davor. Insgesamt waren es in der EU und Großbritannien laut MG mehr als 300.000 Autos, als erste chinesische Marke hat MG dort inzwischen über eine Million verkauft.

Grauer einsitziger Vorkriegs-Rennwagen MG R-Type mit blauen Streifen und Startnummer 10, dahinter weitere historische Rennwagen
Rennwagen MG R-Type von 1935 auf der Jubiläumsschau zu 100 Jahren MG, Rétromobile 2024 in ParisFoto: Y.Leclercq / Wikimedia Commons, Gesichter unkenntlich gemacht · CC BY-SA 4.0

Deutschland: 100.000 Autos in fünf Jahren

Nach Deutschland kehrte MG 2021 zurück, zuerst mit dem Elektro-SUV ZS EV und dem Plug-in-Hybrid EHS. Den Vertrieb organisiert die SAIC Motor Deutschland GmbH in Neu-Isenburg bei Frankfurt, die als MG Motor Deutschland auftritt. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen 2023 21.232 neue MG auf die Straße, 2025 waren es 26.479. Ende Mai 2026 überschritt MG seit dem Neustart die Marke von 100.000 Zulassungen. Von Januar bis September 2026 waren es 27.363, schon mehr als im ganzen Vorjahr, bei einem Marktanteil von 1,2 Prozent.

Am häufigsten gekauft wird der ZS, mehr als 80 Prozent davon als Vollhybrid, dahinter folgen MG3 und HS. Das Angebot reicht vom Kleinwagen MG3 über den MG4 EV Urban und den Siebensitzer MGS9 PHEV bis zu den Elektromodellen IM5 und IM6. Sie stammen von SAICs Elektromarke IM und werden seit Juli 2026 als MG verkauft. Im Oktober 2026 hatte MG in Deutschland 205 Partnerbetriebe unter Vertrag, erstmals mehr als 200.

Seit März 2026 betreibt MG in Neu-Isenburg außerdem ein Entwicklungszentrum für Europa. Ab Ende 2026 soll im MG4 EV Urban eine Semi-Solid-State-Batterie mit überwiegend festem Elektrolyten in Serie gehen, laut MG die erste ihrer Art bei einem Autohersteller. Für die Hybride, die inzwischen einen großen Teil des Geschäfts ausmachen, kündigt sich dagegen eine neue Regel an: Im Oktober 2026 haben sich die EU und China darauf verständigt, die Ausfuhr von Voll- und Plug-in-Hybriden aus China in die EU zu begrenzen. Die Einzelheiten stehen noch aus.

Von Januar bis September 2026 wurden in Deutschland mehr neue MG zugelassen als im ganzen Rekordjahr 2025.

MG in Jahreszahlen

  1. 1924Die Morris Garages in Oxford lassen das achteckige MG-Emblem als Marke eintragen.
  2. 1929Umzug nach Abingdon, dort entstehen fünf Jahrzehnte lang MG-Sportwagen.
  3. 1962Der MGB erscheint und wird bis 1980 mehr als eine halbe Million Mal gebaut.
  4. 1980Am 24. Oktober schließt das Werk in Abingdon, das letzte Auto ist ein MGB.
  5. 2000BMW verkauft das Rover-Geschäft samt MG für zehn Pfund, es entsteht die MG Rover Group.
  6. 2005MG Rover ist zahlungsunfähig, Nanjing Automobile kauft MG und das Werk in Longbridge.
  7. 2007Die MG-Produktion in Nanjing beginnt, im Dezember geht Nanjing Automobile in SAIC auf.
  8. 2019Mit dem ZS EV startet MG wieder auf dem europäischen Festland.
  9. 2021Rückkehr nach Deutschland mit dem ZS EV und dem Plug-in-Hybrid EHS.
  10. 2026100.000 Neuzulassungen in Deutschland seit 2021, Entwicklungszentrum in Neu-Isenburg eröffnet.

Für Käufer

Was das für dich heißt

  • Garantie: 7 Jahre oder 150.000 km auf das Auto und die Antriebsbatterie (mindestens 70 Prozent Restkapazität), dazu 7 Jahre gegen Durchrostung.
  • Auswahl: elf Baureihen vom Kleinwagen MG3 bis zum Elektro-Roadster Cyberster, als Benziner, Vollhybrid, Plug-in-Hybrid und Elektroauto.
  • Händler: 205 Partnerbetriebe unter Vertrag (Stand Oktober 2026), laut MG erstmals mehr als 200.
  • Kauf: Bei MGS5 EV, MGS6 EV, MG4 EV und teils beim Cyberster ist SAIC Motor Deutschland selbst Verkäufer, der Preis gilt bei Abholung in Wachtendonk.

Quellen

  1. MG Motor Deutschland: Neue Bestmarken bei den Zulassungen (07.10.2026)
  2. MG Motor Deutschland: 100.000 Neuzulassungen in Deutschland (10.06.2026)
  3. MG Motor Deutschland: Neues F&E-Zentrum und Semi-Solid-State-Batterie (26.03.2026)
  4. MG Motor Deutschland: 100 Jahre MG
  5. Kraftfahrt-Bundesamt: Neuzulassungen nach Marken und Modellreihen (FZ 10), Datenlizenz by-2-0 · Lizenztext
  6. CarNewsChina: MG als erste chinesische Marke mit einer Million Verkäufen in Europa (22.02.2026, englisch)
  7. EU: Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 zu Ausgleichszöllen auf Elektroautos aus China
  8. Wikipedia: MG Cars (englisch)
  9. Wikipedia: MG Rover Group (englisch)
  10. Wikipedia: MG Motor (englisch)

Stand Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Fotos von Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz stehen am jeweiligen Bild.

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