Shenzhen, Februar 1995: Der Chemiker Wang Chuanfu, Ende zwanzig, gründet mit 20 Leuten und Geld von seinem Cousin eine Batteriefirma. Seine Wette: Die japanischen Hersteller steigen gerade aus den einfachen Nickel-Cadmium-Akkus aus, und wer sie mit viel Handarbeit statt teurer Automaten fertigt, kann sie deutlich billiger anbieten. Die Rechnung geht auf. 2002 stammen rund zwei Drittel aller Nickel-Cadmium-Akkus der Welt von BYD. Von Autos ist da noch keine Rede.
1995
gegründet als Akkuhersteller
4,6 Mio.
verkaufte Fahrzeuge weltweit 2025
23.306
Neuzulassungen in Deutschland 2025
200
Händlerverträge in Deutschland laut BYD (Juni 2026)
Akkus für die halbe Welt
Der Name ist ein Zufallsprodukt. Ursprünglich hieß die Firma Yadi Electronics, nach einer Straße in Shenzhen. Bei der Anmeldung kam ein „Bi“ davor, damit der Name nicht doppelt vergeben war und auf Messelisten weit vorn stand. Aus Biyadi wurde BYD. Weil die drei Buchstaben nichts bedeuteten, trat die Firma 2008 auf der Detroit Auto Show mit einem nachträglich erfundenen Slogan auf: „Build Your Dreams“.
Das Geschäftsmodell hieß von Anfang an: Masse zum kleinen Preis. 1996 kam ein Auftrag von Sanyo, damit war BYD im weltweiten Akkugeschäft angekommen. Ein Jahr später zählten Philips, Panasonic und Motorola zu den wichtigsten Kunden. Im Juli 2002 ging BYD in Hongkong an die Börse, und nur ein halbes Jahr später folgte ein Schritt, den viele Aktionäre nicht verstanden.
Handarbeit statt teurer Automaten: So baute BYD Akkus um ein Vielfaches billiger als die japanische Konkurrenz.

Der riskante Sprung ins Auto
Im Januar 2003 kaufte BYD den kleinen Autohersteller Xi'an Qinchuan, eigentlich um Elektroautos zu entwickeln. Die Aktionäre waren verärgert, im Börsenprospekt hatte davon nichts gestanden. Die ersten Autos waren dann ganz gewöhnliche Benziner: Ab 2005 lief die Limousine F3 vom Band und verkaufte sich vor allem über den Preis.
2008 zeigte BYD, worauf es eigentlich hinauswollte. Der F3DM war der erste Plug-in-Hybrid, der in Serie gebaut wurde, 2009 folgte mit dem e6 das erste reine Elektroauto der Marke. Ebenfalls 2008 stieg Warren Buffetts Holding Berkshire Hathaway für rund 230 Millionen Dollar mit knapp zehn Prozent ein und blieb 17 Jahre an Bord.
Der große Durchbruch ließ trotzdem auf sich warten. Von 2009 bis 2020 verkaufte BYD jedes Jahr nur 400.000 bis 500.000 Autos. Zwischen 2017 und 2019 brach der Gewinn ein, auch weil China die Förderung für Elektroautos zurückfuhr. Wang Chuanfu nannte diese Jahre später den dunkelsten Moment der Firma.
Elf Jahre lang kam BYD nicht über eine halbe Million Autos im Jahr hinaus. Dann kam die Batterie, die alles änderte.

Die Klinge, die alles änderte
2020 stellte BYD die Blade-Batterie vor, benannt nach ihren langen, flachen Zellen. Sie nutzt Lithium-Eisenphosphat (LFP), eine Zellchemie ganz ohne Nickel und Kobalt, die als besonders robust gilt. Im Nageltest, bei dem ein Metallstift die Zelle durchbohrt, entstanden laut BYD weder Rauch noch Feuer. Seit April 2021 steckt die Blade-Batterie in jedem Elektroauto der Marke.
Im selben Jahr folgten zwei Bausteine, die bis heute fast jedes Modell prägen: die Elektroplattform e-Platform 3.0, mit der Dolphin und Atto 3 an den Start gingen, und der Plug-in-Hybrid DM-i, bei dem meist der Elektromotor allein antreibt. Batterien, Motoren, Steuerelektronik und Halbleiter baut BYD selbst. Die Batterietochter FinDreams liefert LFP-Zellen sogar an Konkurrenten wie Tesla, Toyota und Kia.
Im März 2022 endete die Fertigung reiner Verbrenner, danach ging es steil bergauf: 2024 verkaufte BYD 4,27 Millionen Fahrzeuge, 2025 rund 4,6 Millionen, davon mehr als eine Million im Export. Bei reinen Elektroautos lag BYD 2025 erstmals über ein ganzes Jahr vor Tesla. Im März 2026 legte der Konzern nach: Die Blade-Batterie 2.0 soll mit dem Schnellladesystem FLASH Charging in rund fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent laden, mit bis zu 1.500 kW nach chinesischer Spezifikation.
Von 26 auf 300: der Plan für Deutschland
Nach Deutschland kam BYD 2022, zunächst mit der schwedischen Hedin-Gruppe als Vertriebspartner. Im Januar 2023 öffnete der erste Showroom, im Februar 2024 ein Flagship-Store im Frankfurter Bankenviertel nahe der Alten Oper. Bei der Fußball-EM 2024 in Deutschland war BYD offizieller Partner, im selben Jahr gründete der Konzern mit der BYD Deutschland GmbH eine eigene Vertriebsgesellschaft. Sie sitzt seit März 2026 in Offenbach am Main, vorher in Stuttgart.
Dann ging es schnell. Anfang 2025 gab es 26 Standorte, im Juni 2026 unterschrieb BYD den 200. Händlervertrag, bis Ende 2026 sollen es bis zu 300 werden. Dazu kommen rund 300 eigene Schnelllader mit FLASH-Technik, die meisten bei Händlern. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden 2025 in Deutschland 23.306 neue BYD zugelassen, im September 2026 allein 6.040, ein Marktanteil von 2,35 Prozent.
Das Angebot reicht vom Kleinwagen Dolphin Surf bis zum Siebensitzer Tang. Wer nicht nur elektrisch fahren will, findet vier Plug-in-Hybride: Atto 2 DM-i, Dolphin G DM-i, Seal 6 DM-i Touring und Seal U DM-i. Die Technik der nächsten Generation zeigt der Konzern zuerst bei Denza, seiner Premiummarke, die in München ihren ersten Showroom in Europa eröffnet hat.

BYD in Jahreszahlen
- 1995Wang Chuanfu gründet BYD in Shenzhen als Hersteller wiederaufladbarer Batterien.
- 2002Weltmarktführer bei Nickel-Cadmium-Akkus, Börsengang in Hongkong.
- 2003Kauf von Xi'an Qinchuan Automobile, Start der Autosparte BYD Auto.
- 2008F3DM als erster Serien-Plug-in-Hybrid, Berkshire Hathaway steigt ein.
- 2020Die Blade-Batterie debütiert in der Limousine BYD Han.
- 2021DM-i-Plug-in-Hybride und die Elektroplattform e-Platform 3.0 gehen in Serie.
- 2022Im März endet die Fertigung reiner Verbrenner, zudem beginnt der Pkw-Vertrieb in Deutschland.
- 2024Offizieller Partner der Fußball-EM in Deutschland, Gründung der BYD Deutschland GmbH.
- 20254,6 Millionen verkaufte Fahrzeuge, bei Elektroautos erstmals im Gesamtjahr vor Tesla.
- 2026Blade-Batterie 2.0 und FLASH Charging, Deutschlandzentrale in Offenbach, 200. Händlervertrag.
Für Käufer
Was das für dich heißt
- Garantie: 6 Jahre oder 150.000 km auf das Auto, 8 Jahre oder 250.000 km auf die Batterie (mindestens 70 Prozent Restkapazität).
- Auswahl: elf Modelle vom Kleinwagen Dolphin Surf bis zum Siebensitzer Tang, davon vier Plug-in-Hybride.
- Händler: rund 200 Vertragspartner im Juni 2026, bis Ende 2026 sollen es bis zu 300 Standorte werden.
- Batterie: Alle Modelle nutzen die Blade-Batterie mit LFP-Zellen aus eigener Fertigung.
Quellen
- BYD Deutschland: Pressemitteilung zur Marktoffensive 2026 (08.01.2026)
- BYD Deutschland: 200. Händlervertrag (01.07.2026)
- BYD Deutschland: Neue Firmenzentrale in Offenbach (24.03.2026)
- BYD: Blade-Batterie 2.0 und FLASH Charging (06.03.2026)
- BYD: Technologie der Blade-Batterie
- Kraftfahrt-Bundesamt: Neuzulassungen nach Marken und Modellreihen (FZ 10), Datenlizenz by-2-0 · Lizenztext
- Wikipedia: BYD Company (englisch)
- Wikipedia: BYD Auto
- Wikipedia: Wang Chuanfu (englisch)
Stand Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Fotos von Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz stehen am jeweiligen Bild.







