Shanghai, 1862: Li Hongzhang, Staatsmann und Heerführer der späten Qing-Dynastie, lässt eine Fabrik für sein Militär einrichten. Sie zieht über Suzhou nach Nanjing, im Krieg gegen Japan 1937 weiter nach Chongqing, und erst Ende der Fünfzigerjahre entsteht dort das erste Fahrzeug. Heute ist daraus Changan geworden, ein Staatskonzern, der 2025 rund 2,9 Millionen Fahrzeuge verkaufte. Der Name bedeutet ausgerechnet „langer Frieden“. Seit August 2025 ist Changan auch in Deutschland im Handel, nach einem Weg über Kleinbusse mit Suzuki-Technik, Partnerschaften mit Ford und Mazda und eine abgesagte Premiere in Mailand.
1862
Ursprung als Rüstungsfabrik in Shanghai
2,9 Mio.
verkaufte Fahrzeuge weltweit 2025
158
Neuzulassungen in Deutschland 2026 (bis Sep.)
7 Jahre
Garantie bei privater Nutzung
Ein Arsenal auf Wanderschaft
Die Fabrik von 1862 belieferte das Militär der späten Qing-Dynastie. 1863 entstand daraus das Arsenal in Suzhou, 1865 zog es nach Nanjing und wuchs dort als Jinling-Arsenal zur größten Waffenfabrik Chinas seiner Zeit heran. Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten dort rund 1.700 Handwerker an fast tausend Maschinen.
Als der Krieg mit Japan 1937 Nanjing bedrohte, verlegte die damalige Nationalregierung das Arsenal westwärts nach Chongqing. 1951 wurde daraus die Staatsfabrik 456, und Ende der Fünfzigerjahre baute das Werk unter dem Namen Chongqing Changan Arsenal mit dem Geländewagen Changjiang 46 sein erstes Fahrzeug, nach Firmenangaben ab 1959.
Aus jener Zeit stammt auch der Name. Changan bedeutet „langer Frieden“, so hieß einst auch die Hauptstadt der Tang-Dynastie. Die Herkunft blieb lange Teil der Firmenstruktur: Bis 2025 gehörte Changan zur staatlichen China South Industries Group, einem Rüstungskonzern.
Fast hundert Jahre vergingen von der Gründung der Waffenfabrik bis zum ersten Fahrzeug aus Chongqing.
Kleinbusse mit Suzuki-Technik
Der Schritt zum Autohersteller kam mit Hilfe aus Japan. 1984 schloss Changan einen Technikvertrag mit Suzuki, am 15. November 1984 liefen die ersten Fahrzeuge unter dem Namen Changan vom Band: der Kleinbus SC112 auf Basis des Suzuki Carry und der Kleinlaster SC110. Für Changan markiert dieses Jahr den offiziellen Start der Marke, Pkw folgten 1990.
Danach wuchs Changan auch mit Partnern. 1993 entstand ein Gemeinschaftsunternehmen mit Suzuki, 2001 eines mit Ford, später kamen Mazda und zeitweise PSA hinzu, mit dem Changan in Shenzhen Autos der Marke DS baute. 2010 verkaufte der Konzern 2,38 Millionen Fahrzeuge und war damit der viertgrößte Autohersteller Chinas.
Suzuki gab seinen Anteil am gemeinsamen Unternehmen 2018 nach 25 Jahren ab. 2021 stammten bereits 76 Prozent des Absatzes von den eigenen Marken. Im Dezember 2025 überschritt der Konzern nach eigenen Angaben 30 Millionen Fahrzeuge bei Produktion und Absatz.
Erst Lizenzbauten mit Suzuki, dann Partner von Ford und Mazda, heute vor allem eigene Marken.

Tiefblau: der Schwenk zum Elektroauto
2022 startete Changan eine Elektromarke: Shenlan, chinesisch für tiefblau, mit der Limousine SL03 als erstem Modell. Seit 2023 heißt die Marke international Deepal. Dazu kamen die Modellreihe Nevo für Familien, in China Qiyuan, und die Premiummarke Avatr, an der Changan rund 41 und der Batteriehersteller CATL rund 14 Prozent halten; Fahrassistenz und Cockpit-Technik liefert dort Huawei.
Die Zahlen wachsen schnell. 2025 verkaufte Changan 1,11 Millionen Elektroautos, Plug-in-Hybride und Range-Extender, 51 Prozent mehr als im Vorjahr, davon 325.096 unter der Marke Deepal und 123.472 unter Avatr. Im Ausland setzte der Konzern 637.300 Fahrzeuge ab, knapp 19 Prozent mehr als 2024.
Technisch setzt Changan auf die Batterietechnik Golden Shield, auf die seit März 2026 unter dem Namen BlueCore gebündelten Voll-, Plug-in- und Range-Extender-Hybride und auf die Fahrassistenz SDA Pilot, vorgestellt im September 2026. Sie ist in China im Einsatz und wird laut Changan an europäische Vorschriften angepasst.
Im Juli 2025 endete die Verbindung zur Rüstungsindustrie auch formal: Der Staat löste das Autogeschäft aus der China South Industries Group heraus und machte die China Changan Automobile Group zu einem eigenständigen Zentralunternehmen unter der staatlichen Aufsichtsbehörde für Staatsvermögen.

Der lange Anlauf nach Europa
In Europa ist Changan schon lange präsent, nur nicht im Autohaus. Seit Anfang der 2000er-Jahre entwirft das Unternehmen in Turin Autos, seit gut 15 Jahren betreibt es ein Entwicklungszentrum in Großbritannien, heute in Birmingham, wo die Modelle an Europa angepasst werden. Im September 2024 gründete Changan die Changan Automobile Deutschland GmbH in München und eine Europa-Holding in den Niederlanden.
Der Start verlief holprig. Die für Oktober 2024 in Mailand geplante Markenpremiere sagte Changan kurzfristig ab, mitten im Zollstreit zwischen der EU und China. Nachgeholt wurde sie am 21. März 2025 in der Veranstaltungshalle Pyramide am Stadtrand von Mainz: Vor rund 150 Gästen eröffnete der Vorsitzende Zhu Huarong den Europastart mit drei Marken, Changan, Deepal und Avatr.
Seitdem geht es Schritt für Schritt voran. Ende 2025 war Changan in 15 europäischen Ländern vertreten, mit eigenen Landesgesellschaften in Deutschland, Großbritannien und Spanien. Auf dem Pariser Autosalon im Oktober 2026 feierte die Modellreihe Nevo Europapremiere, zugleich kündigte Changan an, eine Fertigung in Europa zu prüfen, in bestehenden Werken oder bei Partnern.
Dazu kommt der Zoll: Auf Elektroautos aus China erhebt die EU seit Ende Oktober 2024 Ausgleichszölle, Chongqing Changan ist mit 20,7 Prozent eingestuft, zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent. Plug-in-Hybride fallen nicht darunter.

Deutschland: acht Partner, 120 geplant
Den Vertrieb verantwortet die Changan Automobile Deutschland GmbH in München, eine Tochter des Herstellers. Seit August 2025 verkauft sie Deepal-Modelle, im selben Monat eröffnete bei Hamburg der erste Changan-Showroom. Im Mai 2026 nannte Changan acht Vertriebs- und Servicepartner in Deutschland, mittelfristig sollen es rund 120 Verkaufs- und Servicepunkte werden.
Im Angebot sind der Deepal S05 als Elektroauto ab 38.990 Euro und seit Juli 2026 als Plug-in-Hybrid ab 35.990 Euro sowie der größere Elektro-SUV Deepal S07 ab 46.990 Euro, beide Modelle mit fünf Sternen im Euro NCAP. Im S05 PHEV verbindet das Hybridsystem BlueCore einen 1,5-Liter-Benziner mit Elektroantrieb, laut Changan reicht der Akku für rund 100 Kilometer, die Gesamtreichweite liegt bei über 1.000 Kilometern. Angekündigt sind der S07 als Plug-in-Hybrid und Anfang 2027 der Elektro-SUV Nevo Q05.
Leasing und Finanzierung laufen über BNP Paribas mit Arval und Consors Finanz, seit Juni 2026 bietet Changan mit Allianz Partners eine eigene Pannenhilfe an, Ersatzteile kommen unter anderem aus Zentren in den Niederlanden und Großbritannien. Das Kraftfahrt-Bundesamt, das die Autos unter der Marke Deepal führt, zählte 2025 in Deutschland 18 Neuzulassungen und von Januar bis September 2026 158, davon 108 S05.

Changan in Jahreszahlen
- 1862Li Hongzhang gründet in Shanghai die Rüstungsfabrik, auf die sich Changan zurückführt.
- 1865Umzug nach Nanjing, das Jinling-Arsenal wird zur größten Waffenfabrik Chinas seiner Zeit.
- 1937Im Krieg gegen Japan wird das Arsenal nach Chongqing verlegt.
- 1959Mit dem Geländewagen Changjiang 46 beginnt in Chongqing der Fahrzeugbau.
- 1984Die ersten Kleinstfahrzeuge mit Suzuki-Technik laufen unter dem Namen Changan vom Band.
- 2001Gemeinschaftsunternehmen mit Ford, später kommen Mazda und zeitweise PSA hinzu.
- 2022Start der Elektromarke Shenlan, später Deepal, mit der Limousine SL03.
- 2024Gründung der Changan Automobile Deutschland GmbH in München.
- 2025Europastart im März in Mainz, im Juli eigenständiger Staatskonzern, ab August Deepal in Deutschland.
- 2026Hybridmarke BlueCore im März, Europapremiere der Modellreihe Nevo im Oktober in Paris.
Für Käufer
Was das für dich heißt
- Garantie: 7 Jahre oder 160.000 km auf das Auto und 8 Jahre oder 200.000 km auf Antriebsbatterie und Elektroantrieb, allerdings nur bei nicht gewerblicher Nutzung.
- Auswahl: Deepal S05 als Elektroauto und Plug-in-Hybrid sowie Deepal S07, angekündigt sind der S07 PHEV und Anfang 2027 der Nevo Q05.
- Händler: laut Changan acht Vertriebs- und Servicepartner (Mai 2026), mittelfristig sind rund 120 Standorte in Deutschland geplant.
- Service: Pannenhilfe mit Allianz Partners seit Juni 2026, Leasing und Finanzierung über Arval und Consors Finanz.
Quellen
- Changan Europe: Über uns, Zeitleiste
- Changan: Neues Kapitel des Wachstums in Europa, Mondial de l'Auto 2026 (12.10.2026)
- Changan: Rekordabsatz 2025 bei New Energy Vehicles und im Ausland (14.04.2026)
- Changan: Meilensteine der Europa-Strategie (21.01.2026, englisch)
- Changan Deutschland: Ausbau des Vertriebs- und Servicenetzes (19.05.2026)
- Changan Europe: Herstellergarantie
- Kraftfahrt-Bundesamt: Neuzulassungen nach Marken und Modellreihen (FZ 10), Datenlizenz by-2-0 · Lizenztext
- EU: Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 zu Ausgleichszöllen auf Elektroautos aus China
- electrive: Changan brings Deepal S07 to Europe (14.03.2025, englisch)
- Wikipedia: Changan Automobile (englisch)
Stand Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Fotos von Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz stehen am jeweiligen Bild.





