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Markenporträt

Geely: Von Kühlschrankteilen zum Eigentümer von Volvo

1986 gründete Li Shufu in Taizhou eine Firma für Kühlschrankteile, 2010 kaufte sein Konzern Volvo Cars. Seit 2026 verkauft auch die Stammmarke Geely in Deutschland, mit Elektroautos und Plug-in-Hybriden.

6 Min. Lesezeit · Stand Oktober 2026 ·

Taizhou in der Provinz Zhejiang, 1986: Li Shufu, Anfang zwanzig, leiht sich Geld in seiner Familie und gründet eine Firma, die Teile für Kühlschränke herstellt. Elf Jahre später steigt Geely als erstes privates Unternehmen Chinas in den Autobau ein. Am 28. März 2010 unterschreibt der Konzern dann den Kauf von Volvo Cars, für 1,8 Milliarden US-Dollar. Ein Hersteller, dessen erstes Auto zwölf Jahre zuvor vom Band gelaufen war, übernimmt damit eine Marke, die seit 1927 Autos baut. Bis die Stammmarke Geely selbst nach Deutschland kam, vergingen noch einmal 16 Jahre.

  • 1986

    gegründet in Taizhou

  • 1,8 Mrd.

    US-Dollar für Volvo Cars (2010)

  • 4,1 Mio.

    Fahrzeuge der Geely Holding weltweit 2025

  • 2.267

    Neuzulassungen in Deutschland bis Sep. 2026

Vom Kühlschrankteil zum ersten Auto

Der Name kommt aus dem Chinesischen: Jílì bedeutet glückverheißend. In den Neunzigerjahren kamen zu den Kühlschrankteilen Motorräder dazu, 1997 der Einstieg ins Auto. Im August 1998 lief in Linhai, ebenfalls in Zhejiang, das erste Geely vom Band, der Kleinwagen Haoqing. Seine Technik stammte weitgehend von Daihatsu: Geely baute ihn auf der Plattform des Charade, die es vom chinesischen Hersteller FAW Tianjin in Lizenz übernommen hatte.

Offiziell als Autohersteller anerkannt wurde Geely erst im November 2001, als erstes privates Unternehmen auf der staatlichen Liste. Danach ging es schnell. 2002 zählte Geely zu den zehn größten Autoherstellern Chinas, 2003 entstand mit der Zhejiang Geely Holding das Dach für alle Autoaktivitäten. Im September 2005 stellte Geely erstmals auf der IAA in Frankfurt aus, mit fünf Modellen, darunter dem Haoqing und dem Sportcoupé CD. Offiziell verkauft wurden sie in Deutschland danach nicht.

Die Technik des ersten Geely stammte von Daihatsu. Zwölf Jahre später kaufte die Firma Volvo.

Silberner fünftüriger Kleinwagen Geely Haoqing, am Straßenrand geparkt
Geely Haoqing (Baujahr 2003) aus der ersten Modellreihe der MarkeFoto: Kevauto / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Die Wette auf Volvo

1999 hatte Ford die Autosparte von Volvo für rund 6,5 Milliarden Dollar übernommen. Nach anhaltenden Verlusten bot der US-Konzern Volvo Cars im Dezember 2008 zum Verkauf an, mitten in der Finanzkrise. Li Shufu hatte sein Interesse schon 2008 bekundet, im Oktober 2009 nannte Ford die Geely Holding als bevorzugten Käufer. Am 28. März 2010 wurde der Vertrag unterschrieben, im Juli stimmten die EU-Kommission und das chinesische Handelsministerium zu, am 2. August 2010 war der Kauf vollzogen. Zu diesem Zeitpunkt war es die größte Übernahme eines chinesischen Autoherstellers im Ausland.

Li Shufu wurde Vorsitzender des Verwaltungsrats von Volvo Cars, Geely brachte zusätzlich 900 Millionen Dollar Betriebskapital mit, und Volvo behielt weitgehend freie Hand. Unter dem neuen Eigentümer entwickelte die Marke neue Drei- und Vierzylindermotoren und die Plattform SPA für ihre großen Modelle. 2015 verkaufte Volvo erstmals mehr als 500.000 Autos in einem Jahr, 2023 waren es über 700.000. Seit 2021 ist Volvo Cars an der Börse in Stockholm notiert, die Mehrheit hält weiter Geely.

Ford hatte für Volvo rund 6,5 Milliarden Dollar bezahlt. Geely bekam die Marke 2010 für 1,8 Milliarden.

Beleuchtetes Bürogebäude von Volvo Cars am Abend mit Vordach und Volvo-Schriftzug auf einer Stele, davor geparkte Autos und Schnee
Zentrale von Volvo Cars in Göteborg (2023)Foto: RandomEuropean / Wikimedia Commons, Kennzeichen und Personen unkenntlich gemacht · CC BY-SA 4.0

Ein Konzern zwischen Hangzhou und Göteborg

Volvo blieb nicht die einzige Übernahme. 2013 kaufte Geely den Londoner Taxihersteller Manganese Bronze, an dem es seit 2006 beteiligt war. Daraus wurde die London Electric Vehicle Company, die bei Coventry elektrische Londoner Taxis baut. Im selben Jahr gründete die Holding in Göteborg das Entwicklungszentrum CEVT. Dort entstand die Plattform CMA, auf der sowohl der Volvo XC40 als auch Modelle der 2016 in Berlin vorgestellten Marke Lynk & Co stehen. 2017 übernahm Geely 49,9 Prozent am malaysischen Hersteller Proton und 51 Prozent an Lotus, im selben Jahr wurde Polestar eine eigene Elektromarke, 2021 kam Zeekr dazu.

Auch mit der deutschen Autoindustrie ist der Konzern verflochten. 2018 stieg Li Shufu über eine Beteiligungsgesellschaft mit 9,69 Prozent bei Daimler ein, der heutigen Mercedes-Benz Group. Die Marke smart gehört je zur Hälfte Geely und Mercedes-Benz, mit Renault betreibt Geely seit 2024 den Antriebshersteller Horse Powertrain, und in Frankfurt am Main entwickelt ein Geely-Zentrum elektrifizierte Antriebe.

2025 setzte die Geely Holding mit allen Marken 4.116.321 Fahrzeuge ab, rund 26 Prozent mehr als im Jahr davor. Gut drei Millionen davon entfielen auf die börsennotierte Geely Auto, unter deren Dach die Marken Geely, Lynk & Co und Zeekr stehen.

Aus dem Neuling von 1998 wurde ein Konzern, zu dem Volvo, Polestar, Zeekr, Lynk & Co und Lotus gehören.

Fertigungshalle mit gelben Hängeförderern, an denen dunkelrot lackierte Karosserien hängen, daneben Arbeiter in blauer Kleidung
Montagelinie von Geely in Ningbo (2011)Foto: Siyuwj / Wikimedia Commons, Gesichter unkenntlich gemacht · CC BY-SA 3.0

Galaxy, GEA, EM-i: die neue Technik

In China verkauft die Stammmarke heute vor allem elektrifizierte Autos. Seit 2023 bündelt sie viele Elektroautos und Plug-in-Hybride unter dem Namen Galaxy, seit März 2025 ist Galaxy dort eine eigene Marke. Die neuen Modelle stehen auf der GEA-Architektur, die Geely für Elektroautos, Plug-in-Hybride und Autos mit Reichweitenverlängerer auslegt. Erstes Modell darauf war 2024 der Galaxy E5, in Deutschland schlicht E5.

Den Plug-in-Hybrid nennt Geely EM-i: Ein Benziner, für den der Hersteller einen thermischen Wirkungsgrad von 47,26 Prozent angibt, arbeitet mit einem eigenen Hybridgetriebe samt Elektromotor zusammen. In den Elektroautos steckt die hauseigene Short-Blade-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen. Bedient wird alles über Flyme Auto, ein System, das Geely mit seiner Smartphone-Tochter Meizu entwickelt hat und das per Over-the-Air-Update neue Funktionen bekommt.

Den größten Erfolg feierte Geely zuletzt mit einem Kleinwagen. Der Xingyuan, bei uns E2, war 2025 mit 465.775 Exemplaren das meistverkaufte Auto Chinas, über alle Klassen hinweg. Bis September 2026 hat Geely weltweit mehr als 950.000 davon verkauft. Insgesamt setzte die Marke 2025 knapp 1,24 Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride ab, 150 Prozent mehr als im Jahr davor.

Gut 20 Jahre nach der IAA: Geely in Deutschland

Offiziell verkauft wird Geely in Deutschland seit Ende März 2026. Zuständig ist die Geely Auto Deutschland GmbH mit Sitz in Raunheim bei Frankfurt. Der Start begann in Nordrhein-Westfalen, der erste Händler eröffnete in Aachen. Zum Auftakt kamen das Elektro-SUV E5 ab 37.990 Euro und der Plug-in-Hybrid Starray EM-i ab 32.990 Euro. Seit September 2026 gibt es den Kleinwagen E2 ab 19.990 Euro, ab Mitte November soll der größere Plug-in-Hybrid Monjaro EM-i folgen. Bis 2028 soll die Palette laut Geely auf mehr als zehn Modelle wachsen.

Verkauft wird klassisch über Autohäuser mit eigener Werkstatt. Anfang September 2026 waren laut Geely 35 Partner aktiv und mehr als 60 Verträge unterschrieben, bis Ende 2026 sollen mindestens 50 Standorte laufen, 2027 dann 150. Ersatzteile kommen aus einem Lager in Deutschland und einem Zentrallager in Amsterdam. Die Garantie gilt acht Jahre oder 200.000 km für das ganze Auto samt Batterie.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden von Januar bis September 2026 in Deutschland 2.267 neue Geely zugelassen, allein im September 1.011, mehr als doppelt so viele wie im August. Am häufigsten war der Starray EM-i. Bauen will Geely künftig auch in Europa: Ab 2028 sollen im Ford-Werk bei Valencia zwei Elektroautos der Marke entstehen.

Rotes zweitüriges Sportcoupé Geely CD auf einer Ausstellungsfläche
Sportcoupé Geely CD auf der IAA 2005 in FrankfurtFoto: Chris 73 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Geely in Jahreszahlen

  1. 1986Li Shufu gründet Geely in Taizhou (Zhejiang), zunächst als Hersteller von Kühlschrankteilen.
  2. 1998In Linhai läuft mit dem Haoqing das erste Auto der Marke Geely vom Band.
  3. 2001Geely wird als erster privater Hersteller in Chinas offizielles Autohersteller-Verzeichnis aufgenommen.
  4. 2005Erster Auftritt von Geely auf der IAA in Frankfurt am Main.
  5. 2010Die Geely Holding übernimmt Volvo Cars für 1,8 Milliarden US-Dollar vom Ford-Konzern.
  6. 2013Gründung des Entwicklungszentrums CEVT in Göteborg, Kauf des Taxiherstellers Manganese Bronze.
  7. 2016In Berlin stellt Geely die neue Marke Lynk & Co vor.
  8. 2024Mit dem Galaxy E5 startet die GEA-Architektur für Elektroautos und Hybride.
  9. 2025Der Xingyuan, in Deutschland E2, ist das meistverkaufte Auto Chinas.
  10. 2026Markteinführung in Deutschland mit E5 und Starray EM-i, im September folgt der E2.

Für Käufer

Was das für dich heißt

  • Garantie: 8 Jahre oder 200.000 km auf das ganze Auto samt Hochvoltbatterie (mindestens 70 Prozent Gesundheitszustand), dazu 12 Jahre gegen Durchrostung.
  • Auswahl: drei Modelle im Handel, der Kleinwagen E2, das Elektro-SUV E5 und der Plug-in-Hybrid Starray EM-i, der Monjaro EM-i ist ab Mitte November 2026 angekündigt.
  • Händler: Geely verkauft über Autohäuser mit Werkstatt, bis Ende 2026 sollen laut Geely mindestens 50 Standorte aktiv sein.
  • Software: E2, E5 und Starray EM-i nutzen das System Flyme Auto mit Over-the-Air-Updates, Release Notes für Deutschland veröffentlicht Geely bisher nicht.

Quellen

  1. Geely Deutschland: Über Geely, Geschichte, Marken und Standorte
  2. Geely: Geely E5 and Starray EM-i Debut in Five European Countries (März 2026)
  3. Geely: Geely EX2 Named 2025 World No.1 Selling Car in Its Segment (02.03.2026)
  4. Geely: Geely Auto Expands European NEV Lineup with Monjaro EM-i (13.10.2026)
  5. AUTOHAUS: Geely nimmt in Deutschland richtig Fahrt auf (07.09.2026)
  6. AUTOHAUS: Geely Auto Deutschland, Partner und Premiere (21.09.2026)
  7. Invest in Spain: Geely teams up with Ford in Valencia car manufacture (29.07.2026)
  8. Kraftfahrt-Bundesamt: Neuzulassungen nach Marken und Modellreihen (FZ 10), Datenlizenz by-2-0 · Lizenztext
  9. Wikipedia: Geely (englisch)
  10. Wikipedia: Volvo Cars (englisch)

Stand Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Fotos von Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz stehen am jeweiligen Bild.

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