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Markenporträt

JAC: Vom Lkw-Werk zum Partner von Volkswagen, Nio und Huawei

JAC baute jahrzehntelang vor allem Lkw, fertigte Elektroautos für Nio und baut mit Huawei eine Luxuslimousine. Unter eigenem Namen ist die Marke in Deutschland erst seit Oktober 2025 im Handel.

6 Min. Lesezeit · Stand Oktober 2026 ·

Hefei, Provinz Anhui: Hier baut Volkswagen Anhui, das frühere Gemeinschaftsunternehmen von JAC und Volkswagen, den Elektro-SUV Cupra Tavascan. Laut Kraftfahrt-Bundesamt, das ihn unter Seat führt, wurden davon von Januar bis September 2026 in Deutschland 10.430 neu zugelassen, von Autos mit JAC-Logo im selben Zeitraum 16. Das passt zur Geschichte des Konzerns, der jahrzehntelang vor allem Lastwagen baute: JAC fertigte die ersten Serienautos von Nio, baut für seine mit Huawei aufgebaute Luxusmarke Maextro die Limousine S800 und hält an Volkswagen Anhui noch 25 Prozent. Unter eigenem Namen versucht es JAC in Deutschland erst seit Oktober 2025.

  • 1964

    Gründung des Automobilwerks in Hefei

  • 384.071

    verkaufte Fahrzeuge weltweit 2025

  • 16

    Neuzulassungen in Deutschland 2026 (bis Sep.)

  • 5 Jahre

    Garantie in Deutschland (bis 100.000 km)

Lastwagen aus Hefei

JAC begann im Mai 1964 als Automobilwerk in Hefei in der Provinz Anhui und baute lange nur Lastwagen. Im Mai 1990 gingen die ersten Fahrzeuge in den Export, 1996 kam der leichte Lkw HFC1061, 2003 der erste Schwer-Lkw. Damit deckte JAC das ganze Spektrum von leichten bis schweren Lastwagen ab.

2001 ging das Unternehmen in Shanghai an die Börse, im März 2002 lief der erste Van vom Band, der Einstieg ins Pkw-Geschäft. Zeitweise montierte JAC auch Vans von Hyundai, bis 2007 erhielt der Konzern die staatliche Zulassung als Pkw-Hersteller. Im Juni 2005 eröffnete JAC ein Designzentrum in Turin.

Heute gehören neben JAC selbst auch die Marken Yiwei für kleine Elektroautos und Maextro für Luxusautos zum Konzern. 2025 verkaufte er 384.071 Fahrzeuge, knapp fünf Prozent weniger als im Vorjahr, darunter 28.930 Elektroautos und Plug-in-Hybride.

Fast vier Jahrzehnte baute JAC nur Lastwagen, erst 2002 kam der erste Van.

Der Hersteller hinter fremden Logos

In den vergangenen zehn Jahren arbeitete JAC immer öfter für und mit anderen Marken. 2016 vereinbarte der Konzern mit dem Elektroauto-Start-up Nio die Auftragsfertigung, 2018 kam Nios erstes Serienmodell ES8 aus einem JAC-Werk in Hefei. Im Dezember 2023 kündigte Nio an, diese Werke für rund 3,16 Milliarden Yuan zu übernehmen.

2017 gründeten JAC und Volkswagen ein Gemeinschaftsunternehmen für Elektroautos in Hefei. 2020 übernahm Volkswagen 75 Prozent daran und die Hälfte von JAG, der staatlichen Muttergesellschaft von JAC. Aus JAC Volkswagen wurde Volkswagen Anhui, das heute unter anderem den Cupra Tavascan für Europa baut. Im Mai 2023 kündigte Volkswagen an, weitere 23,1 Milliarden Yuan in das Unternehmen zu stecken, davon 14,1 Milliarden in ein Entwicklungszentrum.

Seit Dezember 2023 arbeitet JAC mit Huawei zusammen. Daraus entstand die Luxusmarke Maextro: Huawei entwickelt das Produkt und liefert Technik wie Fahrassistenz und Infotainment, JAC verantwortet das Fahrwerk und baut die Autos in einem eigens errichteten Werk in Hefei, das auf 200.000 Fahrzeuge im Jahr ausgelegt ist. Das erste Modell, die Limousine S800, kam im Mai 2025 in China auf den Markt.

Ob Nio, Volkswagen oder Huawei: JAC ist seit Jahren der Partner im Hintergrund.

Zweifarbige Luxuslimousine Maextro S800 in Beige und Braun in einem Schauraum, an der Wand ein beleuchtetes Maextro-Logo
Maextro S800 aus der Kooperation von JAC und Huawei, Schauraum in Zhengzhou (2026)Foto: Windmemories / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Von Bolivien bis Kasachstan

Ins Ausland ging JAC früh. Die ersten Exporte gingen 1990 nach Bolivien, bis heute sind vor allem leichte Lkw im Ausland gefragt. Später lieferte JAC auch Bausätze, die in Ländern wie Ägypten, Vietnam und Mexiko montiert wurden. 2017 startete in Mexiko ein Gemeinschaftsunternehmen mit Giant Motors des Unternehmers Carlos Slim, 2019 übernahm JAC gemeinsam mit Partnern die Allur Group, nach eigenen Angaben den größten Autokonzern Kasachstans. Im Dezember 2022 überschritten die Exporte der Gruppe eine Million Fahrzeuge.

Nach Europa kamen JAC-Autos zunächst mit fremdem Logo: 2016 vereinbarte JAC mit dem italienischen Hersteller DR Automobiles, dass dieser JAC-Modelle importiert und als DR verkauft, etwa den SUV Refine S3 als DR 4. 2025 brachte der nordirische Busbauer Wrightbus auf Basis eines JAC-Lkw den Elektro-Lkw Rightech RT75 heraus. Inzwischen tritt JAC selbst auf: JAC Motors Italy dient als Drehscheibe für Produkt, Marketing, Service und Ersatzteile in Europa, eigene Vertriebs- und Servicenetze wachsen in Deutschland, Spanien, Polen und Tschechien.

Bevor JAC nach Deutschland kam, fuhren JAC-Autos in Italien schon unter dem Logo DR.

Yiwei: die Marke für kleine Elektroautos

Für Elektroautos im Einstiegssegment gründete JAC im April 2023 die Marke Yiwei. Ihr erstes Modell, der Kleinwagen Yiwei 3, kommt in Deutschland als E30X. Er steht auf der Plattform DI, bei der die Batterie aus Rundzellen mit 46 Millimetern Durchmesser direkt in die Karosseriestruktur eingebunden ist. Motor, Getriebe, Differenzial und Leistungselektronik sitzen in einer 9-in-1-Einheit, die laut JAC Platz für Innenraum und Kofferraum schafft.

In Deutschland ist der E30X gut vier Meter lang und hat 100 kW, seine flüssigkeitsgekühlte Lithium-Eisenphosphat-Batterie fasst 41 oder 51,5 kWh und reicht nach WLTP für 293 oder 374 Kilometer. Daneben verkauft JAC den 4,83 Meter langen Siebensitzer JS8 Pro mit einem 1,5-Liter-Turbobenziner mit 128 kW und Doppelkupplungsgetriebe.

Eigene Technik zeigt JAC auch bei den Nutzfahrzeugen. Im Pick-up T9 PHEV arbeitet das Hybridsystem 4DHT, der Elektrotransporter Sunray Pro steht auf einer eigenen Skateboard-Plattform, und bei Batterien arbeitet JAC mit CATL zusammen.

Deutschland: der Importeur aus Hamburg

Nach Deutschland kam JAC im Oktober 2025, mit der RSA Deutschland GmbH in Hamburg als offiziellem Importeur. Sie gehört zur norwegischen RSA-Gruppe, einem privaten Autoimporteur mit Wurzeln bis 1936, der in Norwegen unter anderem Suzuki und BYD vertreibt und JAC außer in Deutschland auch in Norwegen, Dänemark und Schweden führt. Der Hersteller selbst trat im September 2026 auf der IAA Transportation in Hannover auf, den Vertrieb organisiert RSA. Seit Februar 2026 ist JAC Motors Deutschland zudem Mitglied im Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller.

Das Händlernetz wächst schnell. Im Mai 2026 zählte der Importeur gut 20 Handelspartner, Anfang Oktober mehr als 50, bis Ende 2026 sollen es 70 bis 80 werden. Neue Partner investieren laut RSA rund 5.000 Euro, viele sind Mehrmarkenbetriebe. Für Ersatzteile arbeitet RSA seit November 2025 mit dem NORA-Zentrum in Wolfsburg zusammen, geplant sind Lieferungen über Nacht.

Im Angebot sind bisher zwei Pkw: der Elektro-Kleinwagen E30X ab 26.490 Euro und der Siebensitzer JS8 Pro ab 34.990 Euro. Angekündigt sind der Plug-in-Hybrid JS6 PHEV, der Pick-up T9 als Diesel und der Elektrotransporter Sunray Pro. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen von Januar bis September 2026 16 neue JAC auf die Straße, fünf davon im September. Für Elektroautos aus China gelten in der EU seit Ende Oktober 2024 Ausgleichszölle, JAC ist mit 20,7 Prozent eingestuft, zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent.

Silbergrauer Pick-up JAC T9 EV mit Überrollbügel, von schräg hinten auf einem Messestand
Pick-up JAC T9 EV auf der IAA Transportation 2024 in Hannover, ein Jahr vor dem DeutschlandstartFoto: MarcelX42 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

JAC Motors in Jahreszahlen

  1. 1964Im Mai entsteht in Hefei das Automobilwerk, aus dem JAC hervorgeht.
  2. 1990Die ersten JAC-Fahrzeuge gehen in den Export, zuerst nach Bolivien.
  3. 2002Produktionsstart des ersten JAC-Vans, Einstieg in das Pkw-Geschäft.
  4. 2005JAC eröffnet ein Designzentrum in Turin.
  5. 2017JAC und Volkswagen gründen ein Gemeinschaftsunternehmen für Elektroautos.
  6. 2018In Hefei beginnt die Auftragsfertigung für Nio mit dem ES8.
  7. 2020Volkswagen übernimmt 75 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen und die Hälfte der Muttergesellschaft JAG.
  8. 2022Die Exporte der JAC-Gruppe überschreiten eine Million Fahrzeuge.
  9. 2023Start der Elektromarke Yiwei im April, Partnerschaft mit Huawei im Dezember.
  10. 2025Marktstart in Deutschland im Oktober mit dem Importeur RSA Deutschland.

Für Käufer

Was das für dich heißt

  • Garantie: 5 Jahre oder 100.000 km, auf die Batterie des E30X 8 Jahre oder 150.000 km, jeweils für Autos von offiziellen JAC-Händlern in Deutschland.
  • Auswahl: zwei Pkw, der Elektro-Kleinwagen E30X und der Siebensitzer JS8 Pro mit Benzinmotor, angekündigt sind JS6 PHEV, T9 Diesel und Sunray Pro.
  • Händler: laut Importeur mehr als 50 Handelspartner (Oktober 2026), bis Ende 2026 sollen es 70 bis 80 werden.
  • Importeur: Die RSA Deutschland GmbH in Hamburg verantwortet Vertrieb, Ersatzteile und Kundendienst.

Quellen

  1. RSA Deutschland: offizieller Importeur für JAC MOTORS (09.10.2025)
  2. JAC MOTORS Deutschland: mehr als 50 Handelspartner (02.10.2026)
  3. JAC MOTORS auf der IAA Transportation 2026 (09.09.2026)
  4. JAC MOTORS Deutschland: Über JAC, Meilensteine
  5. Kraftfahrt-Bundesamt: Neuzulassungen nach Marken und Modellreihen (FZ 10), Datenlizenz by-2-0 · Lizenztext
  6. IT Home: Absatz von JAC im Jahr 2025 (08.01.2026, chinesisch)
  7. EU: Durchführungsbeschluss (EU) 2026/328 zum Cupra Tavascan von Volkswagen (Anhui)
  8. EU: Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 zu Ausgleichszöllen auf Elektroautos aus China
  9. Wikipedia: JAC Group (englisch)
  10. Wikipedia: Volkswagen Anhui (englisch)

Stand Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Fotos von Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz stehen am jeweiligen Bild.

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