Warum es uns gibt
„Made in Germany“ war einmal eine Warnung
Philadelphia, Juni 1876. Auf der Weltausstellung schneidet die deutsche Industrie schlecht ab. Der Maschinenbauer Franz Reuleaux sitzt in der Jury und schreibt Briefe für die National-Zeitung.2 Im ersten fasst er zusammen, was die Kritiker sagen:
„Deutschlands Industrie hat das Grundprinzip ‚billig und schlecht‘.“

Reuleaux widerspricht nicht. Leider, schreibt er, treffe das im Durchschnitt zu. Er wünscht sich, dass viele deutsche Industrielle herüberkommen, „um zu sehen, wie viel wir zu lernen und wie viel wir zu vergessen haben“.1 Zu Hause rücken ihn manche in die Nähe des Vaterlandsverrats, Werner von Siemens lobt ihn für seine klaren Worte. Im September 1876 fordert Reuleaux in einer Eingabe an das Reichskanzleramt unter anderem ein Patentgesetz und eine bessere gewerbliche Ausbildung.2 Im Mai 1877 bekommt das Deutsche Reich ein einheitliches Patentgesetz.3
Elf Jahre später zieht Großbritannien eine Grenze. Der Merchandise Marks Act von 1887 verlangt von ausländischer Ware mit britischem Namen oder Zeichen eine klare Angabe, wo sie hergestellt wurde.4 Das Gesetz soll die Nachfrage nach ausländischer, vor allem deutscher Ware senken.5 Auf deutschen Produkten steht nun oft: Made in Germany. Gemeint ist das als Warnung.7
Es kommt anders. Schon 1896 klagt der Brite Ernest Edwin Williams, die Kennzeichnung wirke wie kostenlose Werbung für deutsche Waren.6 1902 heißt es in einer österreichischen Fachzeitschrift sinngemäß: Der Stempel sollte abschrecken und ist zur Empfehlung geworden.5 In denselben Jahrzehnten entstehen die Physikalisch-Technische Reichsanstalt (1887), der Deutsche Werkbund (1907) und der Normenausschuss der deutschen Industrie, das heutige DIN (1917).8,9,10 Aus der Warnung wird ein Gütesiegel.7
Vier Länder, ein Muster?
Auch Japan und Südkorea brauchten mehrere Anläufe, bis sich ihre Autos durchsetzten. Bei China ist dieses Kapitel noch nicht zu Ende geschrieben.
Japan
1958 bis heute
- 1958
Toyota bringt den Crown in die USA. Bei hohem Tempo fehlt Leistung, der Wagen ist laut und vibriert. 1960 stoppt Toyota den Export.11,12
- 1968
Der Corolla geht in den Export. Toyotas US-Exporte steigen bis 1969 von 98.000 auf 155.000 Autos.13
- 1980
Rund jeder zehnte Neuwagen in Westdeutschland ist ein Japaner, doppelt so viele wie im Vorjahr.14
- Heute
Toyota ist nach Stückzahl der größte Autohersteller der Welt.15
- 1958
Südkorea
1986 bis heute
- 1986
Hyundai startet mit dem Excel in den USA: 168.882 Autos im ersten Jahr, ein Rekord für einen Importeur. Dann schaden Rost und Qualitätsprobleme dem Ruf.16,17
- 1998
Hyundais US-Vertrieb spricht vom schlechtesten Jahr seiner Geschichte. Die Antwort: bis zu zehn Jahre oder 100.000 Meilen Garantie und bessere Autos.18
- 2004
In einer großen US-Qualitätsstudie liegen koreanische Marken erstmals vor europäischen und amerikanischen.19
- 2022
Der Kia EV6 wird Europas „Car of the Year“.20
- 1986
China
seit 2005
- 2005
Der Geländewagen Landwind im Crashtest von ADAC und ÖAMTC: Die A-Säule verschiebt sich fast 30 Zentimeter. „Der Überlebensraum für den Fahrer ist nicht mehr vorhanden“, schreibt der ÖAMTC. So schlecht hatte beim ADAC noch kein Auto abgeschnitten.21,22
- 2024
Der ADAC wertet 13 chinesische Modelle aus drei Jahren aus. Bis auf zwei haben alle fünf Euro-NCAP-Sterne. „Die chinesischen Hersteller haben in den vergangenen Jahren stark aufgeholt“, sagt ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze.23
- 2026
Autotester loben die Materialien. Im Test des Avatr 07 zeigt sich Carscoops beeindruckt von der Qualität des Ganzen: Nappaleder, Mikrofaser-Wildleder, keine glänzenden oder knarzenden Kunststoffe. Nach Ansicht des Testers gibt die Gesamtqualität etablierten Premiumherstellern zu denken.30
Fortsetzung offen
- 2005
2005IAA 2005 in Frankfurt: Geely zeigt das Sportcoupé CD.
Foto: Chris 73 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
2025IAA Mobility 2025 in München: der Changan-Pavillon am Königsplatz.
Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons, Gesichter unkenntlich gemacht · CC BY-SA 4.0
Aus unseren Daten
Und heute?
47 von 50
Modellen mit Euro-NCAP-Ergebnis haben fünf Sterne, Tests 2021 bis 2026.
2–8 Jahre
Fahrzeuggarantie, je nach Marke.
Quellen: Euro NCAP, eigene Auszählung; Garantie laut Herstellern.24
Was der Vergleich nicht sagt
Ein Muster ist keine Prognose. Und gute Crashtests beantworten nicht jede Frage.
Software und Daten.
Vernetzte Autos werfen Fragen auf, die es 1887 nicht gab. In den USA dürfen Hersteller unter chinesischer oder russischer Kontrolle ab Modelljahr 2027 keine vernetzten Autos mehr verkaufen, begründet mit möglicher Datenweitergabe und Fernzugriff.28
Assistenz und Bedienung.
Der ADAC fand 2024 Verkehrszeichenerkennung, Spurhalte- und Abstandssysteme oft unzuverlässig, dazu komplizierte Touch-Menüs, Softwarefehler und falsche Übersetzungen.23
Werkstatt und Teile.
Das Netz ist je Marke sehr unterschiedlich: In unserem Verzeichnis reicht es von 4 Standorten bei Denza bis 177 bei MG.
Marken kommen und gehen.
Aiways kam 2023 in Deutschland auf 50 Neuzulassungen, 2025 auf keine mehr.25 Das gibt es nicht nur bei chinesischen Marken: General Motors nahm Chevrolet bis Ende 2015 aus Europas Massenmarkt und sagte Garantie, Teile und Service weiter zu.29
Zölle.
Seit dem 30. Oktober 2024 erhebt die EU für fünf Jahre Ausgleichszölle auf Elektroautos aus China, je nach Hersteller 7,8 bis 35,3 Prozent. Hybride und Verbrenner sind nicht erfasst.26,27
Unser Fazit
Ein Etikett sagt, woher ein Auto kommt.
Nicht, was es taugt.
Darum gibt es China Car Guide. Wir schauen uns jedes Modell einzeln an, mit Zahlen und Quellen, auch wenn das Ergebnis unbequem ist.









